Und der nächste Doppelfehler

von Redaktion

Tennisstar Alexander Zverev versprach in Quarantäne zu gehen – feiert aber wilde Partys

VON DANIEL MÜKSCH

München – Auf den ersten Blick sieht es nach einem gewöhnlichen Klischee-Video der Champagner-Society aus: Frauen mit zu großen Sonnenbrillen und Männer mit zu engen T-Shirts tanzen auf Tischen und kreisen ihre Hüften zu lauter Partymusik. Aber Moment. Das ist doch – richtig: Alexander Zverev. Auch er steht in dem Clip eng gedrängt mit dem Rest der aufgekratzten Feiermeute.

Jeder Gast im „Anjuna Beach Club“ in Èze bei Monaco muss sich fragen, ob so ein Verhalten der Corona-Pandemie gegenüber angemessen ist. Für Deutschlands besten Tennisspieler ist das Video, das Proll-Designer Philipp Plein veröffentlichte und inzwischen wieder gelöscht hat, jedoch ein doppeltes Image-Desaster. Zverev gehörte zu jenen Spielern, die bei der von Novak Djokovic ins Leben gerufenen Adria Tour aufgeschlagen haben. Hygienemaßnahmen wurden dort weitgehend außer acht gelassen. Mit dem Ergebnis, dass sich mehrere Spieler – auch Djokovic selber – mit dem Corona-Virus angesteckt haben. Zverev ließ sich ebenfalls testen. Bei ihm konnte Covid-19 allerdings nicht festgestellt werden. Dennoch hagelte es heftige Kritik an den Teilnehmern der Turnierserie.

Der Deutsche zeigte sich reumütig: „Ich entschuldige mich zutiefst bei jedem, den ich potenziell in Gefahr gebracht habe, dadurch dass ich diese Tour gespielt habe“, ließ er in den sozialen Medien verlauten. Er werde sich auf Anraten der Ärzte in Selbstisolation begeben. Und der gebürtige Hamburger schloss mit den Worten: „Ich wünsche allen eine schnelle Genesung. Bleibt gesund.“ Sechs Tage ist diese Nachricht alt.

Das Verhalten mag über die Privatperson Alexander Zverev bereits einiges aussagen. Seinem Sport macht er so den Weg zurück aus der Pandemie-Pause jedoch unendlich schwer. Ende August sollen in New York die US Open beginnen. Nach den Vorfällen bei der Adria Tour haben die Veranstalter angekündigt, die Hygiene-Standrads zu verschärfen. Was bedeutet das für Zverev? Erste Stimmen fordern ein Startverbot für die Nummer sieben der Welt in den USA.

Auch Kollegen des ATP-Weltmeisters von 2018 zeigen sich bestürzt. Allen voran Nick Kyrgios. „Ich wache auf und sehe mehr kontroverse Sachen auf der ganzen Welt. Eine, die herausstach, war Sascha Zverev wieder zu sehen“, sagte der Australier auf Instagram: „Mann, wie egoistisch kannst du sein?“ Wenn Zverev schon die Dreistigkeit besitze, sein Management eine Botschaft schreiben zu lassen, in der er eine Selbstisolation ankündige und sich entschuldige, solle er doch bitte für 14 Tage zu Hause bleiben, fügte Kyrgios an: „Das kotzt mich an.“ Die Tenniswelt werde immer egoistischer.

Eigentlich war die Rolle des bösen Buben der Tennis-Szene in den letzten Jahren fest für den aufschlagstarken Australier reserviert. Zverev rüttelt aber an diesem unrühmlichen Thron. Wenn er nicht schon längst darauf Platz genommen hat. Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner sieht die Glaubwürdigkeit des Deutschen nachhaltig beschädigt. Sie sagt: „Ich sehe da kein Gefühl für Verantwortung oder seine Vorbildfunktion.“ Und die 47-Jährige ergänzt: „Ich bin zwar kein Kyrgios-Fan, aber da hat er wohl recht.“

So zieht der Australier in der Pandemie immer mehr Fans auf seine Seite. Um Alexander Zverev wird es einsam. Sehr einsam. Ihm bleibt die Bling-Bling-Gesellschaft.

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