Bunter Vogel mit weichem Kern

von Redaktion

Sanés Können auf dem Platz ist unbestritten – unter anderem Löw aber war nicht immer zufrieden

München – Ein Jahr lang wurde in München nun über Leroy Sané gesprochen. Nun ist er bald da – und mit ihm die Fragen: Was zeichnet Sané auf dem Platz aus? Wie lebt er außerhalb?

Wenn es um die zukünftige Ausrichtung des deutschen Fußballs geht, fällt immer wieder das Wort Straßenfußballer. Gemeint ist damit jemand, der auf den großen Bühnen die Leichtigkeit und den Spielwitz der Bolzplätze zeigt. Und Leroy Sané ist das Paradebeispiel des Straßenfußballers. Der Sohn des senegalesischen Ex-Profis Souleymane Sané (u. a. Nürnberg, Wattenscheid) und der deutschen Gymnastin Regina Weber (Bronze bei Olympia 1984) wuchs im Bochumer Stadtteil Wattenscheid auf. Er kickte – wie sein Vater – zunächst für die SG, später für Schalke 04 und Bayer Leverkusen. Sein Jugendtrainer Denis Tahirovic sagte bei fussball.de: „Leroy ist vor allem durch seine Unbekümmertheit aufgefallen. Ihm war es egal, ob privat mit seinen Kumpels auf dem Bolzplatz oder im Verein. Man musste ihm einfach seine Freiheiten lassen, dann war er am besten.“

Das hat Sané sich bis heute bewahrt. Bundestrainer Joachim Löw lobt seine „spezielle Art, hinter die Abwehr des Gegners zu kommen“. Und Sané ist ein echter Frühstarter. Auf der Champions-League-Bühne sorgte er schon mit 19 Jahren für Aufsehen. Im März 2015 hatte Sané mit einem Traumtor und einer Vorlage großen Anteil an Schalkes 4:3-Sieg bei Real Madrid. Spätestens danach hatte ihn jeder große Club in Europa auf dem Zettel, Pep Guardiola und Man City schlugen im Sommer 2016 zu – auch damals für rund 50 Millionen. Die folgende Zusammenarbeit mit dem spanischen Coach steht sinnbildlich für die zwei Facetten des Leroy Sané. Mal lobte Pep seinen Dribbler, mal kritisierte er ihn öffentlich.

Sané gilt als freundlicher, meist gut gelaunter Mensch, der es aber eben auch mal schleifen lässt im Training. Daran störte sich vor der WM 2018 Jogi Löw. Er strich Sané völlig überraschend aus dem Aufgebot, gab Julian Brandt den Vorzug. Neben bisweilen schwachen Trainingsleistungen hatte Löw wohl auch Sanés Absage für den Confed Cup 2017 missfallen. Damals zog der Offensivmann eine OP der Nase vor – und nutzte die Pause für ein gigantisches Tattoo auf dem Rücken.

Zu sehen sind: Sané beim Torjubel, eine Uhr und die Postleitzahl seiner Heimat Wattenscheid. Vier Tage soll das Stechen gedauert haben. Manche mögen das arrogant finden, andere unbedarft. Ähnliches gilt für einen Auftritt Sanés bei der Nationalelf: Zum Treffpunkt erschien er im 25 000-Euro-Outfit. Abseits des ausgefallenen Geschmacks ist Sané ein echter Familienmensch: Auch Ehefrau Candice Brook und e Tochter Rio Stella ziehen nun nach München.  jau

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