Sanés Bühne ist bereitet

von Redaktion

Salihamidzic bestätigt „gute Gespräche“ und bittet um „Geduld“ – bis heute?

VON HANNA RAIF UND JONAS AUSTERMANN

München – Diese Woche vor dem Pokalfinale war beim FC Bayern eigentlich für diejenigen reserviert, deren Transfers ohne große Nebengeräusche ablaufen. Am Dienstag also, drei Tage nach dem Bundesliga-Ende, wurde Alexander Nübel offiziell Bayern-Profi, gestern folgte ihm Tanguy Nianzou Kouassi von Paris St. Germain. Der 18 Jahre alte Verteidiger durfte seine ersten Sätze als Münchner sprechen, die Bühne gehörte ihm. Trotzdem wurde er weit weniger beachtet als ursprünglich erhofft. Denn in aller Munde war: Leroy Sané.

„Wir sind in sehr guten Gesprächen mit dem Management und auch Manchester City, das kann ich bestätigen“, sagte Hasan Salihamidzic, der gestern auf dem Podium neben Kouassi Platz genommen hatte. Gerüchte und Spekulationen sind seit einem Jahr Dauer-Begleiter rund um die Säbener Straße, nun wird es konkret. Salihamidzic bat darum, „dass wir uns alle ein wenig gedulden“. Gestern Abend zeigte Sky Sport News, wie Königstransfer Sané nach seiner Landung in Oberpfaffenhofen von den Bayern abgeholt wurde. „Leroy glaubt, dass er in München besser und glücklicher wird“, sagte sein Coach Pep Guardiola.

Seit Dienstagabend war es ja zumindest schon halboffiziell, dass der 24-Jährige in diesem Sommer – also rund 365 Tage später als ursprünglich geplant – an die Isar wechseln wird. Von einer Ablöse unter 50 Millionen Euro ist die Rede (rund 10 kommen als Boni dazu), einen Fünfjahresvertrag soll der Nationalspieler unterschreiben. Gehaltsmäßig wird Sané sich wohl dort einfinden, wo vor allem die Top-Verdiener und Lautsprecher Manuel Neuer und Thomas Müller ihn intern auch eingeordnet haben. Nicht ganz oben, also dort, wo mit rund 20 Millionen Euro Robert Lewandowski steht. Sondern etwas weiter unten, rund 15 bis 17 Millionen Euro pro Jahr dürften es sein. Weniger als Neuer und Müller.

Die Bayern hätten diesen Coup gerne selbst verkündet, man war nicht ganz so erfreut darüber, dass Nachrichten über finale Absprachen und Details über die Medien verbreitet wurden. Sie selbst wollten sich gerne noch Zeit für die Details geben, bis zum Medizincheck, der dieser Tage ansteht. Trotzdem passte es freilich nur zu gut, dass die frohe Kunde ausgerechnet an dem Tag zum großen Thema wurde, an dem Salihamidzic offiziell in den Vorstand aufrückte. In die Amtszeit als Sportdirektor fallen nun neben dem teuersten (Lucas Hernandez/80 Mio. Euro) auch der zweitteuerste (Leroy Sane/ rund 49) und achtteuerste Transfer (Benjamin Pavard/35) der Bundesliga-Geschichte. Große Summen, viel Verantwortung – und das zu Corona-Zeiten.

Der Kader der kommenden Saison nimmt nun schon Form an, ehe die alte beendet ist. Sané soll, so heißt es, im August zur Mannschaft stoßen, ist in der Champions League aber nicht spielberechtigt. Immerhin aber ist Salihamidzic „glücklich“ darüber, dass die Bayern mit den drei aktuellen Leihspielern Ivan Perisic, Philippe Coutinho und Alvario Odriozola beim Turnier in Lissabon planen können, ihre Kontrakte wurden um zwei Monate verlängert. Danach wird wohl für alle drei Schluss in München sein. Neben Coutinho ist auch Perisic, für den die Bayern die Kaufoption von 20 Millionen Euro haben verstreichen lassen, zu teuer. Konkret wurde Salihamidzic nicht, sagte aber: „Die finanziellen Möglichkeiten sind nicht unendlich. Wir müssen kreativ sein.“

Die Personalplanung ist nicht abgeschlossen, man halte bis 5. Oktober „die Augen offen“, um sich „in der Breite und vielleicht auch in der Qualität zu verbessern“. Zumindest auf den Flügeln ist diese durch den Wechsel von Sané nun schon vorhanden. Dennoch werden sich weder Serge Gnabry noch Kingsley Coman hinter dem neuen Superstar verstecken. Ist Sané fit, wird er wohl auf der linken Seite gesetzt sein, die rechte ist dann umkämpft. Gnabry immerhin könnte noch weiter vorne spielen – wenn Robert Lewandowski das zulässt.

Ein Transfer von Kai Havertz aus Leverkusen stand zuletzt nie ernsthaft zur Debatte und wird heuer auch nicht stattfinden. Mehr Bedarf gibt es im Zentrum, wo neben Javi Martinez wohl nun auch Thiago einen Wechsel forciert. Für Corentin Tolisso heißt das, dass er wohl bleiben muss. Ein weiterer Mann neben Joshua Kimich und Leon Goretzka wäre für die „Breite an Qualität“, die Hansi Flick sich wünscht, wichtig.

Was außerdem aussteht: Die Verlängerung von David Alaba. Ein Treffen unter der Woche hat nicht zu einer Unterschrift geführt. Tendenz: Es zieht sich. Allerdings nicht ganz so lange wie bei Sané.

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