Hungriger Seriensieger, mutiger Außenseiter – vor dem Pokalfinale im Frauenfußball sind die Rollen klar verteilt. Meister und Titelverteidiger VfL Wolfsburg geht als haushoher Favorit in die Partie an diesem Samstag (16.45 Uhr/ARD) in Köln gegen den Bundesliga-Fünften SGS Essen. Doch die Demut der Essenerinnen vor dem scheinbar übermächtigen Gegner hält sich Grenzen. Die künftige Wolfsburgerin Lena Oberdorf gab sich kämpferisch: „Ich stehe noch in Essen unter Vertrag und werde alles dafür tun, dass wir gewinnen. Deshalb müssen sich die Wolfsburgerinnen auch damit abfinden, dass wir den Pokal mit nach Essen nehmen.“
Es könnte den Frauen aus dem Essener Vorort Schönebeck zum Vorteil gereichen, dass sie nichts zu verlieren haben. Schließlich erscheint die Dominanz der Wolfsburgerinnen im deutschen Frauenfußball derzeit erdrückend. Gemäß ihrem Slogan „Immer hungrig“ ging in dieser Saison wettbewerbsübergreifend bisher keine einzige Partie verloren. Die Bundesliga-Spielzeit endete am vergangenen Wochenende mit 20 Siegen, zwei Remis und einer imposanten Tordifferenz von 93:8. Zudem ist der VfL im Pokal seit November 2013 ungeschlagen und gewann die Trophäe zuletzt fünfmal in Serie. Mit einem weiteren Triumph wäre die Bestmarke des einstigen Seriensiegers 1. FFC Frankfurt (1999 bis 2003) übertroffen.
An Motivation dürfte es auch den Essenerinnen nicht mangeln. Das erste Pokalfinale für den Club seit 2014 soll noch einmal letzte Kräfte mobilisieren. „Wenn man in ein Finale einzieht, möchte man gewinnen. Wir haben schließlich auch viel investiert, um nach Köln zu kommen“, sagte SGS-Coach Markus Högner ungeachtet der Niederlagen (1:5, 0:3) gegen Wolfsburg in der Bundesliga. Für Essen könnte es die vorerst letzte Gelegenheit sein, sich auf großer Bühne zu zeigen. Mit Lea Schüller, Marina Hegering, Turid Knaak und Lena Oberdorf verlassen gleich vier Nationalspielerinnen den Club. dpa