„Waterloo für alle Sportregelwerke“

von Redaktion

Manchester City darf weiter Champions League spielen – mit allen Stars

Lausanne/München – Pep Guardiola freute sich wie ein kleiner Junge, der gerade mit einem Streich durchgekommen ist. Der Teammanager von Manchester City lächelte im Kreise seiner Assistenten glücklich und befreit in die Kamera, im Hintergrund liefen die „Breaking News“ über den Bildschirm: Gnade für Guardiolas City – „Todesurteil“ für das Financial Fair Play.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die zweijährige Europacup-Sperre gegen den englischen Spitzenclub aufgehoben – und dem Kontrollmechanismus der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in einem wegweisenden Schiedsspruch einen wohl vernichtenden Schlag versetzt. Fein raus ist dagegen das von arabischen Investoren üppig alimentierte City. Prompt verbreitete Guardiolas Vertrauter Manel Estiarte auf Instagram das Freuden-Bild, das dem Verband wie Hohn vorkommen musste.

Der CAS sah es nach dreitägiger Verhandlung als erwiesen an, dass City nicht ausreichend mit dem Finanzkontrollgremium der UEFA kooperiert und damit gegen Artikel 56 des Financial Fair Play (FFP) verstoßen hätte. Nicht begründet sei dagegen der Vorwurf, Manchester habe unrechtmäßige Geldzuwendungen durch seine arabischen Investoren erhalten. Die deshalb am 14. Februar auferlegte Europacup-Sperre für die Mannschaft um den deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan sei daher unangemessen gewesen.

Die Geldstrafe wurde von ursprünglich 30 auf nur noch 10 Millionen Euro reduziert. Dass diese überhaupt noch gezahlt werden muss, begründete der CAS mit den „finanziellen Mitteln“ des Clubs sowie der Bedeutung der Kooperation mit den ermittelnden Institutionen, die City verweigert habe. Insgesamt sah der Gerichtshof „die meisten“ Verstöße, die City vorgeworfen wurden, als entweder „nicht begründet“ oder „verjährt“ an – ein schwerer Imageschaden für die UEFA und ihr Kontrollgremium, das die harte Strafe im Frühjahr für Vorgänge aus den Jahren 2012 bis 2016 verhängt hatte.

In Manchester, das die Vorwürfe bestritten und den CAS eingeschaltet hatte, sorgte das Urteil für große Erleichterung. Der Club „begrüße“ die Entscheidung und werte sie als „Bestätigung“ seiner Position. Die UEFA nahm den Schiedsspruch in einer ersten Reaktion lediglich „zur Kenntnis“ und bekannte sich mit der Europäischen Clubvereinigung (ECA) „zu den Prinzipien des Financial Fair Play“.

„ManCitys größter Sieg“, kommentierte die BBC das Urteil. Die englische Fußball-Ikone Gary Lineker dagegen legte den Finger in die tiefe UEFA-Wunde. „Es ist schwer vorstellbar, wie die Financial-Fair-Play-Regeln dies überleben können“, twitterte er. Nun sei die Frage: „Kann die UEFA die Folgen überleben?“

Guardiola hatte ohnehin keinen Gedanken an eine Niederlage verschwendet. Wie zuversichtlich er sei, wurde er zuvor gefragt – seine Antwort, so kurz wie klar: „Sehr.“ Das Urteil erlaubt dem Katalanen, seine Mannschaft um Stars wie Kevin De Bruyne, Sergio Agüero oder Gündogan zusammenzuhalten. Für die kommende Champions-League-Saison ist sie seit dem 5:0-Erfolg am Samstag bei Brighton & Hove Albion qualifiziert. „Wir verdienen die Qualifikation, wir haben sie auf dem Platz gewonnen“, sagte der frühere Bayern-Coach.

Entsetzt von der Entscheidung des CAS mit dem deutschen Richter Ulrich Haas sowie dessen Kollegen Rui Botica Santos (Portugal) und Andrew McDougall (Frankreich zeigte sich der Sportrechtöer Christian Müller, der die FFP-Regeln einst miterarbeitet hatte. Er sagte der „ARD Radio Recherche Sport“: „Es ist eine Katastrophe, das Waterloo für die Sportregelwerke. Eine Strafe von 10 Millionen Euro ist einfach eine Lachnummer.“ Er habe gehört, dass vor dem CAS „die Anwälte von Manchester City wirklich bis an die Zähne bewaffnet aggressiv aufgetreten sind“-  sid/mm

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