Der erste Reflex ist, auf die UEFA zu schimpfen: Hat sich Europas Fußballdachverband also doch weichkochen lassen von Manchester City. Das ist nicht ganz richtig, denn die gestrige Entscheidung, den Club aus England nun doch zu den internationalen Wettbewerben, nächste Saison also wieder zur Champions League, zuzulassen und die Geldstrafe erheblich abzusenken, traf der CAS. Das ist der Sportgerichtshof, der auch ganz andere Fälle behandelt als solche aus dem (großen) Fußball. Der CAS darf als unabhängig betrachtet werden.
Die UEFA reagierte schmallippig mit einem „Wir nehmen es zur Kenntnis“. Sie hatte ein Urteil gesprochen, das wurde einkassiert, das kann nicht glücklich stimmen. Jedoch ist der große Verband nicht unschuldig, dass es so gekommen ist, denn er hat viel zu spät auf das reagiert, was Manchester City zum Vorwurf zu machen ist. Der CAS wertete wesentliche Punkte als „verjährt“. Allerdings hatte die UEFA wohl auch nicht schlüssig darlegen können, dass die Sponsoringerlöse Citys aus der Tasche des arabischen Investors nicht marktgerecht und überhöht seien.
Und so steht am Ende halt doch die UEFA als Verantwortlicher für das Schlamassel um Manchester City da. Sie erlebt nun eine schwere Niederlage im Versuch, den Wettbewerb der Spitzenclubs einigermaßen fair und Champions und Europa League sportlich interessant zu halten. Das Financial Fair Play pflegt den guten Grundgedanken, dass ein Club einigermaßen sicher auf eigenen Beinen stehen und nicht von Partnern mit außersportlichen Interessen (häufig: der Nation, aus dem das Investment stammt, ein positives Image verleihen) abhängig sein sollte. Doch das „FFP“ greift nicht richtig, Clubs wie Manchester City, Paris St. Germain und die aus dem Red-Bull-Imperium umtänzeln es. Und verzerren so den Wettbewerb.
Wieder zeigt sich: Der Fußball hat es schon viel zu weit getrieben in seinen kommerziellen und sonstigen Auswüchsen, als dass er sie aufhalten könnte. UEFA und Weltverband FIFA kämpfen zwar vordergründig gegen „Third Party Ownership“ (komplizierte „Besitzverhältnisse“ bei Spielern) oder Transfers von Minderjährigen, sie sprechen ab und zu eine Sperre aus, doch haben das System nicht verändern können. Vielleicht haben sie es auch nie entschieden verändern wollen, denn letztlich profitieren sie mit der Vermarktbarkeit ihrer Topwettbewerbe davon. Und vermutlich wird auch die UEFA damit leben können, dass Manchester City 2020/21 in der Champions League an den Start geht. Denkbarerweise ja sogar als Titelträger.
Guenter.Klein@ovb.net