München – Um die Bedeutung einer Nachricht einordnen zu können, ist es manchmal hilfreich, sich das Gegenteil vor Augen zu führen. Bei der Vertragsverlängerung von Sascha Mölders heißt das: Man stelle sich vor, der 35-Jährige würde nicht ein weiteres Jahr das Löwen-Trikot tragen und wäre stattdessen zur SpVgg Unterhaching oder Drittliga-Neuling Türkgücü gewechselt.
Das wäre wohl das Ende aller Hoffnungen der Löwen-Fans auf eine sportlich ambitionierte Saison 2020/21 gewesen, noch bevor auch nur eine Minute gespielt worden wäre. Erst recht bei den sowieso schon eklatanten Personalproblemen: 17 Verträge sind ausgelaufen, drei Abgänge (Bekiroglu, Berzel und Niemann) bereits vermeldet. Dazu auch noch der Abschied vom zweitbesten Scorer der 3. Liga, dem Kapitän und Wortführer auf und neben dem Platz. Eine Horror-Vorstellung für jeden Fan, die sich seit gestern allerdings in Luft aufgelöst hat. Denn Mölders bleibt ein Löwe.
Um ein Jahr hat er seinen ausgelaufenen Vertrag verlängert. Entsprechend euphorisch zeigte sich der Verein nach den erfolgreichen Verhandlungen: „Sascha ist nicht nicht nur unser Sturmtank und Topscorer, sondern auch und vor allem Antreiber und Identifikationsfigur. Daher freuen wir uns, dass wir Sascha auch in der kommenden Spielzeit im Trikot des TSV 1860 München sehen werden“, lässt sich Sport-Geschäftsführer Günter Gorenzel zitieren. Und er gibt auch gleich einen Hinweis darauf, wie es mit Mölders nach der Saison weitergehen kann. „Er wird auf und außerhalb des Platzes unseren Talenten aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum auf dem Weg zum Profifußball mit unersetzlichem Rat und Tat zur Seite stehen.“ Somit spricht vieles dafür, dass Mölders nun ein Übergangsjahr einlegt, ehe er die Seiten wechselt und als Ex-Spieler dann eine neue Aufgabe im Verein erhält. Mölders selbst macht keinen Hehl daraus, dass für ihn bei anderen Clubs besser dotierte Verträge gewunken haben: „Ich musste mich zwischen Geld und Liebe entscheiden. Und hier bin ich“, kommentierte der Angreifer seine Unterschrift.
Wie ernst seine Flirts mit Unterhaching und Türkgücü wirklich waren? Wohl nicht mehr als ein Wink für Gorenzel und Co. nach dem Motto: Ihr müsst euch schon etwas ins Zeug legen, damit ich bleibe. Das ist kein Selbstgänger. Die Botschaft ist in der Chefetage angekommen.
Damit ist auch der Plan für die nächsten Wochen klar: Um Mölders eine Mannschaft aufbauen. Das Anforderungsprofil für Löwen-Zugänge: Jung, schnell, ehrgeizig – und nicht zu teuer. Spieler, die um den Routinier herum wirbeln, Chancen kreieren und den Sturmtank bedienen.
Bis vor wenigen Tagen waren die Argumente in den Verhandlungen mit etwaigen Verpflichtungen dürftig. Mit Mölders ist jetzt ein Argument hinzugekommen. Ein sportlicher Lichtblick. Der für Mölders wohl das Ende seiner aktiven Fußballer-Karriere auf Profiiebene einläutet. Bei 1860 hofft man, dass nun ein Löwen-Sommer beginnt, in dem ein Lichtblick auf den anderen folgt – und eine bessere Zukunft in Giesing auf den Weg gebracht wird.