München – Die Nacht? „War bescheiden.“ Aber das lag nicht an Söhnchen Levi. Der Kleine hat geschlummert, während Dajana Eitberger wach lag. Eine Erkältung hat sie sich eingefangen, ein Zug im Fitnessstudio ist Schuld. „Und mein Körper“, sagt die 29-Jährige, „zeigt mir schon auch, dass ich ihm gerade ziemlich viel zumute.“
Ziemlich viel, das ist untertrieben, denn Eitberger, Olympiazweite im Rodeln, ist vor noch nicht mal fünf Monaten Mama geworden – und seit letzter Woche zurück auf dem Schlitten. Beim Startlehrgang des Weltcup-Teams in Oberhof gab sie ihr Trainingscomeback, während ihr Partner auf den Sprössling aufpasste. Der „Muskelkater meines Lebens“, den Eitberger erwartet hatte, blieb aus. Was allerdings sofort wieder da war: „Der Spaß – und wie!“ Die Sportsoldatin, die vor der Schwangerschaft an ein Karriereende gedacht hatte, weiß seit dieser Woche zu 100 Prozent, dass sie sich im Winter wieder in den Eiskanal stürzen will. Und „dass ich den Ausgleich durch Sport auch als Mutter absolut brauche.“
Diese Pläne sind nicht neu. Sie bestehen in der Theorie, seitdem Eitberger quasi zeitgleich mit Olympiasiegerin Natalie Geisenberger ihre Schwangerschaft bekanntgab. Die beiden besten deutschen Rodlerinnen gingen gemeinsam in den Mutterschutz, pausierten ein Jahr lang, hatten aber stets dasselbe Ziel. „2022 in Peking will ich dabei sein“, sagt Eitberger, die nun ein paar Wochen vor Geisenberger wieder zum Team stoßen konnte. Deren Söhnchen Leo ist zehn Wochen jünger als ihr Levi. Man ist freilich im regen Austausch – „und seit letzter Woche auch gemeinsam beim Babyschwimmen“.
Im Becken, wo Levi „der Wilde“ und Leo „der Entspannte“ ist, wird geplauscht und regeneriert. Ansonsten aber ist Eitbergers Trainingsplan schon wieder knackig. Die Rückbildung nach der Kaiserschnitt-Geburt war langwierig, „ich musste Geduld haben, das muss ich auch heute noch“, sagt sie. Zu schnell zu viel zu wollen, kann im Winter, wenn es wieder um Hundertstelsekunden geht, fatale Auswirkungen haben. Eitberger will alles richtig machen, damit „Plan A“ – die Rückkehr in den Weltcup-Kader – klappt. Wenn es „Plan B“ wird – kein Platz im Elite-Team –, startet sie erst mal in der zweiten Liga. Und selbst wenn „Plan Z“ greifen muss – die Erkenntnis, dass der Spagat als Mama und Leistungssportlerin nicht klappt –, wäre sie nicht allzu traurig: „Dann kann ich sagen, dass ich alles probiert habe. Auch das macht stolz.“
Man merkt im Gespräch, dass Eitberger es unbedingt will. Die Termine sind fixiert – im September will sie ihre nun in Oberhof gesetzten Leistungsmarken deutlich verbessern. Und die Begleitumstände abgeklärt haben. Ab August hat Partner Chris Elternzeit, Levi und er werden nicht am Wohnort in Gilching bleiben, sondern Eitberger in der Saison begleiten. Der Kleine „wird sich daran gewöhnen, dass es in unserem Leben viele Menschen gibt“. Die Unterstützung seitens des Verbandes haben Eitberger und Geisenberger, die zusammen trainieren, zugesichert bekommen. Man freut sich auf die beiden Topathletinnen.
Nicht jeder war von Beginn an überzeugt, aber genau jene Skeptiker („vor allem Männer“) haben Eitberger angespornt. „Ich sage heute: Dankeschön!“, erzählt sie, „denn ich will es denjenigen, die sagen, dass man nicht Mutter und Leistungssportlerin sein kann, zeigen“. Als großes Vorbild nennt sie Christina Schwanitz, die als Zwillings-Mutter 2019 WM-Bronze im Kugelstoßen holte. „Als ich das gesehen habe, dachte ich: Das will ich auch schaffen!“ So wie auch Beachvolleyballerin Laura Ludwig.
Was die Mamas eint: Dass sie ihren Sport lockerer sehen. Eitberger hat das gleich beim ersten Mal bemerkt. „Früher hätte ich mir nach dem Training den Kopf darüber zerbrochen, was ich besser machen kann.“ Als sie am Wochenende im Hotel in Oberhof ankam, hatte sie längst andere Dinge im Kopf: Windeln, Milch – und vor allem: „Ganz viel Liebe.“ HANNA RAIF