Kroos bei Real Madrid

Toni, der Große

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Ein, zwei Tage wird die Nachricht von der Meisterschaft Real Madrids in Spanien hierzulande zu lesen sein. Das Ende der Dominanz des FC Barcelona, die Rückkehr der Königlichen in die Erfolgsspur wieder mit Zinedine Zidane als Coach an der Seitenlinie. Dieser Fokus wird die Berichterstattung bestimmen. Und auch, dass Toni Kroos eine weitere Meisterschaft sein Eigen nennen darf.

Dass der Deutsche wohl nur ein Randaspekt bleibt, liegt zunächst einmal an seiner eindrucksvollen Titel-Sammlung, für die eine Meisterschaft schon fast zum guten Ton gehört. Dass Toni Kroos in seiner Heimat unter dem Radar der breiten Fußball-Öffentlichkeit spielt, zeugt aber auch davon: Toni Kroos ist noch immer nicht ganz in den Herzen der Fans angekommen. Und: In den Fußball-Olymp erhalten noch immer andere Typen den Vortritt.

Bastian Schweinsteiger zum Beispiel. Wie er mit blutüberströmtem Gesicht im WM-Finale gegen Argentinien immer wieder aufsteht, diese Bilder ließen ihn sofort nach Abpfiff in Rio zur Legende werden und haben seinen Platz im Fußball-Olymp betoniert. Ohne Toni Kroos wäre man wahrscheinlich gar nicht so weit gekommen. Kroos hat zuvor das fraglos bessere Turnier gespielt. Mit Kroos gewinnt man keine Titel – dieser Spruch verfolgt den Mittelfeld-Strategen bis heute. Diese These widerlegt er Jahr für Jahr, nicht nur bei Real. Die Meisterschaft mit Madrid ist für Kroos der 27. Titel im Laufe seiner Profi-Karriere. Darunter allein drei Champions-League-Siege mit den Spaniern und ein Königsklassen-Triumph mit dem FC Bayern 2013. Deutsche Meisterschaften, Pokalsiege, Supercup-Erfolge, Club-WM-Trophäen – die Liste kann beliebig verlängert werden.

Nur wird es von Kroos wohl nie so martialische Bilder wie von Schweinsteiger 2014 zu sehen geben. Er wird auch nie den Einpeitscher auf dem Rasen geben. Ein Charakterzug, der in seiner Wahlheimat Spanien indes sehr positiv bewertet wird, wie Kroos in einem Podcast verriet. Die eher extrovertierten Südeuropäer sehen in seiner präzisen und kalkulierten Spielweise einen wichtigen Vorteil gegenüber so mancher übertriebenen Inszenierung auf dem Platz.

Bei Real verpasste man ihm daher auch den Spitznamen „Iceman“. Als Wertschätzung. Komplimente sind auch immer eine Frage der Perspektive.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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