Auf dem Weg zum Traumduo

von Redaktion

Maggie Kozuch will bei Olympia als Beachvolleyballerin überzeugen – das Ziel wird greifbar

VON PATRICK REICHELT

München – Die Schmerzen ließen nicht lange auf sich warten. Selbst der Schlaf wurde für Margareta Kozuch und ihre Partnerin Laura Ludwig nach dem Mammutprogramm von fünf Spielen in zwei Tagen zur Qual. Doch das nahmen Deutschlands Top-Beachvolleyballerinnen gerne hin. Zu schön war die Erkenntnis aus dem Top-8 in Düsseldorf, auch wenn beiden dort im Finale gegen die Schweizerinnen Joana Heidrich/Anouk Vergé-Dépré ein wenig die Luft ausgegangen war: Die Form stimmt, die beiden scheinen vielleicht sogar besser aus der Corona-Pause gekommen zu sein, als sie hineingegangen waren.

Genau das wollten die beiden Hamburgerinnen in Düsseldorf testen. Man wollte bei diesem Aufwärmprogramm auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft in Timmendorf sehen, wie es um die Form bestellt ist nach so langer Zeit der Tatenlosigkeit. Und da merkten die beiden schnell: Das sah gut aus, die Dinge griffen reibungslos ineinander. Kozuchs Fazit: „Wir sind happy.“

So hatte das nicht immer ausgesehen, seit sich die 33-jährige Kozuch, die alle nur Maggie nennen, vor der vergangenen Saison mit Ludwig auf den Weg machte, der nach Möglichkeit mit einem starken Auftritt bei Olympia in Tokio enden soll. Die beste deutsche Hallenvolleyballerin an der Seite der Frau, die zuletzt im Sand das Maß der Dinge gewesen war – das schien doch eine Kombination wie gemalt.

Aber so einfach ist die Rechnung halt nicht. Klar, auch beim Beachvolleyball wird gepritscht und gebaggert: „Aber das ist eine andere Sportart als in der Halle“, wie Kozuch sagt. Was das heißt, bekamen die beiden teilweise schmerzhaft vor Augen geführt. Die Visiten an den Stränden der Welt fielen kurz aus. Immer wieder packten die beiden mit 17. Plätzen die Taschen. Druck? Empfand Kozuch nicht als Problem: „Den machst du dir als Vollblut-Leistungssportlerin vor allem selbst.“ Für die Frau mit den polnischen Wurzeln, die schon in der Halle eine Weltenbummlerin in Sachen Volleyball war, war der Sand vielleicht nicht unbedingt neu – sie hatte zuvor schon Erfahrungen an der Seite von Karla Borger gesammelt. Doch ihr fehlte noch das Zutrauen in der Szene, in der man statt Teammitglied plötzlich sportliche Kleinunternehmerin ist. Und Ludwig? Der Olympiasiegerin war die traumwandlerische Sicherheit der Tage mit Expartnerin Kira Walkenhorst abhanden gekommen.

Nicht einfach, unter diesen Umständen große Ziele im Auge zu behalten. Und die Zweifel saßen ja auch tief. Bis die World Tour in Wien Station machte. Bis die beiden plötzlich merkten, dass funktionierte, was sie mit Trainer und Medaillenschmied Jürgen Wagner ausgetüftelt hatten. Heraus sprang ein fünfter Platz auf der Donauinsel. „Das war der Wendepunkt“, sagt Kozuch. „Gib niemals auf, dann wird das Glück dich finden“, schrieben die beiden ziemlich vielsagend bei Instagram.

Es sollte noch besser kommen. Wenige Wochen später sorgte das Gespann mit dem Triumph beim Tour-Finale in Rom für Aufsehen. Was irgendwie gerade in Kozuchs Historie passt. In der Halle hatte die überzeugte Veganerin mit dem Gewinn des CEV-Pokals und Platz drei in der Champions League ihre ersten großen Erfolge als Spielerin in Italien gefeiert. Ihr Freund kommt aus Italien. Und nun wurde Italien also zur Bühne ihres Schritts zur Beachvolleyball-Weltspitze.

Womit plötzlich ganz nah ist, was zuvor schon fast außer Reichweite schien. Kozuch/Ludwig sind nicht nur nahe dran an Olympia – die beiden werden für die Spiele in Tokio auch schon als Mitfavoriten gehandelt.

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