Der Brucker Traum – eine extrem harte Prüfung

von Redaktion

HANDBALL Trainer Wild und sein Team vor enormen Belastungen in der Zweiten Liga

Fürstenfeldbruck – Freud und Leid zugleich – so lässt sich die Corona-Krise aus Sicht der Fürstenfeldbrucker Handballer zusammenfassen. Zum einen bescherte der Abbruch der vergangenen Saison dem Team von Trainer Martin Wild den direkten und lange ersehnten Aufstieg in die Zweite Liga, ohne in der Relegation gegen den starken Konkurrenten Wilhelmshaven antreten zu müssen. Auf der anderen Seite ließ die Pandemie die Gespräche mit potenziellen neuen Sponsoren im Sand verlaufen. Ihren Etat konnten die Panther zwar verdoppeln, mit rund 350 000 Euro liegt er aber weit unter dem Durchschnitt (1,7 Millionen Euro) in der zweithöchsten Spielklasse. „Finanziell können wir nicht mithalten“, sagt Wild. Verbittert ist er deshalb nicht. „Unsere Vorfreude ist riesengroß. Wir werden unseren Traum mit voller Leidenschaft leben.“

Ohne Idealismus wird der TuS die Herausforderungen auch kaum meistern. Durch den von Mitte August auf 2. Oktober verschobenen Saisonstart besteht der komprimierte und jetzt veröffentlichte Terminplan aus vielen Duellen unter der Woche. Neun der 18 Auswärtsspiele muss der Aufsteiger an einem Mittwoch oder Freitag austragen. Darunter die Partien in Hamburg (790 km), Hamm (629 km) oder Dessau (485 km). „Wir rechnen mit zwölf bis 15 Urlaubstagen, die anfallen“, sagt Wild, der als Lehrer am Pestalozzi-Gymnasium arbeitet. „Auf Jahre kann man das so nicht machen. Die Belastung ist an der Grenze.“ Auch alle seine Spieler arbeiten normal oder studieren.

Während man vor sechs Jahren noch S-Bahn-Derbys in Ismaning oder Unterhaching spielte, bereisen die Brucker jetzt ganz Deutschland. Für kürzere Distanzen ist weiterhin der Bus eingeplant, für längere Anreisen steigen die Panther auf den Zug oder das Flugzeug um. Große Summen als Aufwandsentschädigung können nicht gezahlt werden, die meisten Jungs sind auf 450-Euro-Basis angestellt.

Nach fast vier Monaten Corona-Pause hat Wild seine Mannschaft seit 29. Juni wieder um sich. Die erste Trainingsphase, mit Fokus auf dem athletischen Bereich, endet morgen mit einer für die Zweite Liga vorgeschriebenen sportmedizinischen Untersuchung. Im August sollen die ersten Testspiele, vermutlich in Österreich, anstehen. Spätestens Ende September will der Coach eine schlagkräftige Truppe, die womöglich noch auf der Torhüterposition verstärkt wird, zusammen haben. „Wir werden sicher als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt“, weiß Wild. „Aber ich sehe eine Handvoll Mannschaften, mit denen wir konkurrieren können.“ Drei Clubs aus der 19 Teams starken Liga steigen im Juni 2021 ab. „Ich halte es für realistisch, dass wir nicht dabei sind.“

Ob und wann wieder Zuschauer in der heimischen Wittelsbacher Halle zugelassen sein werden, weiß noch niemand. Vermutlich darf anfangs nur ein gewisser Prozentsatz der Sitzplätze besetzt werden. Auch hier wird es ein lachendes und ein weinendes Auge geben. MATHIAS MÜLLER

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