Fokussiert, motiviert, reflektiert

von Redaktion

Sanés erste Worte als Bayer: Antrittsbesuch bei Hoeneß, Henkelpott als Ziel

VON HANNA RAIF

München – Der Besuch am Tegernsee gehört halt dazu. Leroy Sané war gerade angekommen in München, da fand er sich schon auf der A8 wieder. Uli Hoeneß hatte zum Empfang gebeten, ein Antrittsbesuch beim Ehrenpräsidenten, der in diesem Transferpoker eine nicht ganz unerhebliche Rolle gespielt hatte, war nur angebracht. „Er lebt an einer sehr schönen Ecke Bayerns“, erzählte Sané nun. Der neue Star des FC Bayern fügte aber lachend hinzu: „Auch wenn es mir zu weit weg wäre von der Säbener Straße.“

Seit knapp drei Wochen ist Sané nun offiziell ein Bayern-Spieler. Die wichtigen Dinge in diesem Club – das Trainingsgelände als Herzstück, Hoeneß als wichtiger Ansprechpartner – hat er schon verinnerlicht. Und auch so äußerte sich der 24-Jährige in seinem ersten Interview sehr differenziert. Man liest aus dem Gespräch mit „Sport Bild“: Der junge Mann weiß, woher er kommt, wo er hinwill und was ihn auf diesem Weg erwartet. Und er ließ einen Kernsatz fallen, den man auch intern bei Bayern gerne gelesen hat: „Ich sehe definitiv eine realistische Chance, mit Bayern die Champions League zu gewinnen.“

Wenn ab 8. August die diesjährige Königsklasse zu Ende gespielt wird, bleibt Sané nur die Statistenrolle. Heute immerhin wird der Top-Einkauf bei einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt. Zwei Tage Aufmerksamkeit, dann soll der Fokus wieder auf der Mannschaft liegen, die zum Ende der Corona-Saison noch ein großes Ziel vor Augen hat. Sané hält sich bis 23. August im Hintergrund. Trotzdem hat er die Entscheidung, eine Titelchance mit Manchester City verstreichen zu lassen und direkt zu wechseln, bewusst getroffen: „Ich will ankommen, eine Bleibe finden, mich auf das neue Kapitel vorbereiten – und dann voll durchstarten.“

Ab September geht es richtig los, mit der „10“ auf dem Rücken („weiß um die Verantwortung“) – und als neues Aushängeschild. Der Strahlkraft, die die Rolle als Superstar mit sich bringt, ist sich Sané „durchaus bewusst, darauf habe ich mich vorbereitet, aber damit belaste ich mich nicht“. Vielmehr möchte er den Tipp umsetzen, den Karl-Heinz Rummenigge ihm beim ersten persönlichen Treffen in München mit auf den Weg gegeben hat: „Wenn ich nicht frei im Kopf bin, kann ich nicht meine Bestleistung zeigen.“

Der Bayern-Boss spielte darauf freilich bewusst an. Denn die Überheblichkeit, mit der zahlreiche Stars dieser Branche an ihren Job gehen, missfällt ihm schon lange. Auch Sané, dessen schrilles Outfit bei einem Nationalmannschafts-Treff einst tagelang Thema war, beteuert: „Fußball steht für mich an erster Stelle.“ All denjenigen, die seinen Charakter binnen des 14 Monate währenden Wechselpokers infrage gestellt hatten, sagte er nun: „Ich frage mich, wie man so etwas machen kann? Wenn ich einen Menschen nicht kenne, würde ich nie über seinen Charakter sprechen. Das fand ich in dem Maße seltsam, verwunderlich.“

Das Interview gab er in kurzer Hose und T-Shirt, unaufgeregt. Er wirkt fokussiert, wenn auch nicht übermotiviert. Der Plan, den Sportdirektor Hasan Salihamidzic ihm aufgezeigt hat, der unbedingte Wille dieses Vereins, ihn zu verpflichten, haben ihm imponiert. Auch Leon Goretzka, Serge Gnabry und Joshua Kimmich haben in den vergangenen Monaten regelmäßig den Kontakt gesucht. Als Teil dieser jungen Generation spürt Sané nun, „dass sie heiß und fokussiert sind. Sie haben große Ziele mit dem Verein.“

Er selbst fordert im Team von Flick („richtig gefreut, dass er mein Trainer wird“) keinen Stammplatz, sondern sieht sich als Teil der Flügelspieler-Achse, die neben ihm aus Gnabry und Kingsley Coman besteht. „Ich habe meine Ziele, aber ich bin null Komma null gegen Rotation“, sagte er: „Kein Spieler der Welt kann jede Partie machen und dabei sein höchstes Level erreichen.“ Man erinnert sich gut an die Zeiten, in denen Arjen Robben und Franck Ribery Auswechslungen als Majestätsbeleidigung empfanden. Da sei, so Sané, „eine große Lücke zu füllen“´. Bewusst aber „bürde ich mir nicht auf, dass ich sage: Ich möchte so groß wie Robben oder Ribery werden“.

In der Tat: Sie blieben zehn bzw. zwölf Jahre bei Bayern. Und waren mehr als einmal am Tegernsee.

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