Zlatan Ibrahimovic hätte ihn nicht mit offenen Armen empfangen: „Wer ist Rangnick? Ich weiß nicht, wer Rangnick ist“, reagierte der exzentrische Schwede auf den Flirt zwischen seinem Arbeitgeber, dem AC Mailand, und Ralf Rangnick. Und da man sich als Fußball-Profi auch nicht jeden Namen merken kann, eine kleine Gedächtnis-Stütze für „Ibrakadabra“.
Ralf Rangnick ist der „Head of Sport and Development Soccer“ beim Brausehersteller Red Bull. Übersetzt: Der Fußball-Chef der Österreicher. Kein Trainer. Dafür Stratege. Nadelstreifen- statt Trainingsanzug. Nach seinem letzten Gastspiel für RB Leipzig 2018/19 an der Seitenlinie dachte man, nun habe er endgültig die Seiten gewechselt. In Julian Nagelsmann den perfekten Nachfolger gefunden und zieht zufrieden im Hintergrund die Fäden. Beweisen muss er schließlich niemandem mehr etwas. Als Trainer hat er fast überall Erfolg gehabt. Ulm, Stuttgart, Hannover, Hoffenheim, Leipzig. Selbst auf Schalke erinnert man sich inzwischen gerne an den „Professor“, der einst im ZDF-Sportstudio Fußball-Deutschland die Viererkette erklärte.
Doch in Gelsenkirchen ereilte ihn 2011 auch ein Burn-out, worauf er S04 sofort verließ. So schien sein Schritt in die zweite Reihe mit 62 Jahren, weg vom täglichen Trainingsstress, vor einem Jahr plausibel. Aber nun wissen wir: Rangnick hat noch nicht fertig. Er will zurück an die vorderste Front. Nur Sportdirektor war ihm beim AC Mailand zu wenig. Die Verhandlungen zogen sich, weil die Aufgabe für ihn nur infrage kam, wenn er Milan auch trainieren darf. Damit hatte der Verein Probleme. Club-Legenden wie Paolo Maldini äußerten Zweifel an der Eignung des Deutschen. In ungewohnt scharfem Ton: „Bevor er Italienisch lernt, sollte er das Konzept von Respekt überdenken“, so Maldini. Hinzu kam eine Siegesserie des 18-fachen italienischen Meisters nach dem Corona-Restart. Keine Veranlassung mehr für die Bosse, sich einer Person derart zu unterwerfen. Rangnick hat sich verzockt.
Dennoch sendet er ein Signal: Ich bin auf dem Markt. Wieder bereit für ein Engagement in der ersten Reihe. Nun muss sich nur jemand finden, der seinen Regeln folgt. Vielleicht ein Verein im Ausland. Vielleicht in der Bundesliga. Oder gar kein Verein. Sondern ein Verband. Joachim Löw hat bis 2022 Vertrag. Rangnick hat nie verborgen, dass er sich den Job als Bundestrainer zutraut. Und dafür muss er nicht einmal Italienisch lernen.
Daniel.Mueksch@ovb.net