München – Seit zwei Tagen läuft das Cyber-Training beim FC Bayern, und das Schöne an diesem besonderen „Homeoffice“ ist ja, dass die Stars in diesen Zeiten Einblicke in ihr privates Umfeld geben. Robert Lewandowski zum Beispiel trainiert unweit der Schaukel seiner Töchter, Leroy Sané im Hotelzimmer, Alexander Nübel auf der Dachterrasse – und Manuel Neuer im Garten. Das Panorama bei diesen Aufnahmen ist beeindruckend. Und die Leistung, die er bringt, auch.
Auf Instagram war am Dienstag Folgendes zu sehen: Neuer auf dem Rasen, von hinten gefilmt, eine Gewichts-Weste angelegt, den Tegernsee im Blick – und enorme Sprungkraft in den Beinen. Drei Mal hüpft der Bayern-Keeper auf dem Video in die Höhe, als sei es ein Leichtes. Wie ein junger Hüpfer, könnte man sagen. Dabei ist 34 ja gar nicht mal so jung.
Die Altersfrage begleitet Neuer, sie war auch im Vertragspoker ein wichtiger Punkt. Fünf weitere Jahre – das war den Bayern-Bossen zu riskant. 2023, wenn der zuletzt unterschriebene Kontrakt ausläuft, wird Neuer 37 sein, und wenn man ihn trainieren sieht, kann man ihm durchaus glauben, dass er sein Niveau bis dahin halten kann. Die Kampfansage, die er im Magazin „11 Freunde“ just in den Tagen platzierte, in denen Alexander Nübel ins Training beim FC Bayern einstieg, kam sicher nicht unbewusst. Im Wortlaut: „Ich bin der Überzeugung, dass ich der Beste bin, auch wenn ich nicht mehr 17 bin.“
Daran zweifelt beim FC Bayern auch niemand, dennoch wollte man sich frühzeitig für die Zeit nach Neuer rüsten. Der Kapitän war über den Nübel-Transfer nicht erfreut, gibt sich nun aber betont cool. „Wer bei Bayern und in der Nationalelf die Nummer eins ist, befindet sich ständig in einer Konkurrenzsituation,“ sagte er. Das stimmt in seinem Fall jedoch nur bedingt. Sven Ulreich spielte in dieser Saison exakt einmal. Und auch dessen Vorgänger – unter anderem Pepe Reina und Tom Starke – waren nur dann gefragt, wenn Neuer passen musste. Freiwillig passierte das nie.
Für Nübel, den die Bayern nach einer Horrorsaison auf Schalke behutsam aufbauen wollen, geht es also erst mal um den internen Kampf um die Position hinter Neuer. Denn – Stand jetzt – sieht es nicht so aus, als verlasse Ulreich den Verein. Die Optionen in Berlin, Stuttgart und Schalke haben sich so gut wie zerschlagen – und Ulreich schon angekündigt: „Wenn sich nichts tut, werde ich hier in meinem letzten Vertragsjahr alles geben.“ Wie gehabt tut der 31-Jährige das eher im Stillen. Plakative Bilder vom Cyber-Training gab es bisher nicht von ihm. hlr