München – Die kurze Sommerpause wurde beim FC Bayern für Umbauten genutzt. Als Karl-Heinz Rummenigge, Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic und Leroy Sané gestern das Podium für die virtuelle Pressekonferenz betraten, schauten sie sich erst mal irritiert an. „Ich komme mir hier vor wie bei der Behörde“, sagte Chef Rummenigge über die Plexiglas-Trennwände, die zwischen ihren Stühlen hochgezogen worden waren. Er setzte sich dennoch und schmunzelte – um keine fünf Minuten später nicht mehr ganz so gut gelaunt Klartext zu sprechen.
Im Fokus des gestrigen Auftritts sollte die Vorstellung von Sané stehen. Weil der neue Superstar in Reihen des FC Bayern aber bereits in den Tagen zuvor ausführlich gesprochen hatte, wurde er – zumindest, was die Fragen an die Bosse anging – schnell zur Nebensache. Viel interessanter, das merkte man schnell, ist die nach wie vor ungeklärte Zukunft von David Alaba und Thiago. Beim Spanier hat man die Hoffnung auf einen Verbleib nach Vertragsende 2021 aufgegeben – und in Richtung des Österreichers sagte Rummenigge: „Wir haben die Karten auf den Tisch gelegt. Es liegt am Berater und an David.“ Dass Ärger in der Luft liegt, war nicht zu überhören.
Beide Fälle begleiten die Bayern-Bosse ja schon lange. Anders als bei Manuel Neuer und Thomas Müller ziehen sich die Gespräche hin, und bei Alaba habe man „bis dato keine Lösung“. Einige Runden mit Vater George sowie Berater Pini Zahavi fanden bereits statt, es sei „kein Geheimnis“, führte Rummenigge aus, „dass es wie immer ums Gehalt geht“. Alaba, so hört man, soll im internen Salär-Ranking aufsteigen wollen, aktuell liegt er unter den Topverdienern wie Lewandowski und Manuel Neuer. Er will wohl 20 Millionen Euro pro Jahr. Trotz Corona.
Rummenigge schickte ein eindeutiges Signal an die Verhandler – und sagte: „Ich stelle fest, dass die Transfersummen sich nach unten bewegt haben. Bei den Gehältern im Spitzenbereich scheint zumindest der eine oder andere Berater noch der Meinung zu sein, dass die Sonne hell scheint. Dem ist aber nicht so.“ Die Worte sind freilich Teil des Pokerspiels, das Alaba wie Berater Zahavi kennen. Der Israeli handelte auch für Lewandowski den Optimal-Vertrag aus, er pokerte lange und gut.
Rummenigge betonte immer wieder, dass „wir grundsätzlich verlängern wollen“. Sollte das nicht möglich sein, „müssen wir uns mit anderen Optionen auseinandersetzen“. Heißt: einen Verkauf noch in der laufenden Transferperiode, die bis 5. Oktober geöffnet ist. Allen Interessenten rief Rummenigge aber plakativ zu: „Es wird beim FC Bayern keinen Sommer-Sale geben.“ Das gilt für Alaba genauso wie für Thiago, der beim FC Liverpool im Gespräch ist. Bisher gab es keinen Kontakt, über die kursierende Ablöse von rund 30 Mio. Euro aber muss Rummenigge „schmunzeln“. Die Bayern werden den Mittelfeld-Strategen nicht unter Wert ziehen lassen. Man hat zudem Zeit, denn „Fakt ist“, sagte Rummenigge, „dass wir bei beiden nicht aufs Gaspedal drücken müssen“.
Natürlich wünscht man sich trotzdem Planungssicherheit, denn das Team für die kommende Spielzeit will gut durchdacht sein. „Der Kalender verlangt einen guten Kader“, sagte Sportvorstand Salihamidzic mit Blick auf Englische Wochen als neuer Alltag. Es sei nicht einfach, „das Team jetzt zu verstärken“, aber man habe den Markt im Blick: „Ziel ist es, nächstes Jahr eine Mannschaft zu stellen, mit der wir Erfolg haben.“ Stets im Hinterkopf sind die Finanzen, denn – so Rummenigge – „alles hängt von der Rückkehr der Zuschauer ab“.
Was als Nächstes ansteht: Gespräche mit Jerome Boateng und Javi Martinez, die ebenso nur bis 2021 gebunden sind. Abwarten, müsse man, „beide haben ja schon die Drei vorne stehen und machen sich Gedanken“.
Der Bayern-Boss sagte diese Sätze ganz ruhig. Anders als alles, was zuvor an Alaba gerichtet war.