München – Seine neue Heimat hat Andrea Trinchieri schon gefunden. Eine Wohnung an der Isar wird der neue Trainer der Basketballer des FC Bayern wohl beziehen. Im Grünen, „schön ruhig“, sagte er, „das brauche ich“. Als Gegenpol zum aufreibenden Programm, dem er nun entgegensieht.
Der 51-Jährige soll die Münchner nach einem Katastrophenjahr wieder auf den Basketball-Thron führen. Sein neuer Chef Marko Pesic gab dies dem Coach bei dessen gestriger Vorstellung ziemlich unmissverständlich mit auf den Weg. „Wir sind nicht mehr der Champion“, sagte Pesic, „deshalb müssen wir jetzt angreifen und wir werden angreifen. “
Auf dem Weg dorthin zeigten sich die Bayern schon einmal zuversichtlich, bei der Auswahl des Projektleiters den großen Coup gelandet zu haben. „Andrea Trinchieri ist einer der drei besten Trainer Europas“, so Sportchef Daniele Baiesi, „das sagt alles“. Vor allem aus seinem Mund sagt es eine ganze Menge. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass beide ihre erste sportliche Ehe in Bamberg nicht unbedingt als Freunde beendeten. Aber seitdem sind halt auch drei Jahre vergangen, auch der Trainer hat sich verändert. „Wäre das nicht so, dann wäre er wahrscheinlich nicht hier“, erklärte Baiesi. „Taten sagen mehr als Worte“, entgegnete Trinchieri, „ich bin hier.“ Und das will er auch bleiben, da will er auch den ziemlich überschaubaren Einjahresvertrag nicht als Aussage verstehen. „Wir sind in einer Pandemie, in der du heute nicht weißt, was morgen ist“, betonte er. Wichtiger sei, die Mission zu erfüllen. „Wir müssen wissen, dass wir aus einem Loch klettern, weil uns eine Menge deutscher Teams in den Hintern getreten haben.“
Wobei es eine interessante Frage sein wird, mit welcher Mannschaft er den „sanften Wiederaufbau“ angehen wird, den das Sprachtalent aus Mailand, das auch schon ganz annehmbar Deutsch versteht, gestern ausrief. „Etwa 15 Profis“ werde man für die Belastungen in BBL und Euroleague brauchen, deutete Trinchieri an. Anders als die Konkurrenz haben die Bayern ihre Einkaufstour noch nicht begonnen. Klar scheint nach den Abgängen der Stammkräfte Danilo Barthel (Fenerbahce Istanbul) und Maodo Lo (Alba Berlin) nur zu sein: Auf die deutsche Karte wird man wohl weniger setzen als in der Vergangenheit. Trinchieri soll und will verstärkt mit Talenten arbeiten. Stand jetzt sollen Jason George, Matej Rudan und Sasha Grant in den Profikader aufrücken und zumindest in den nationalen Wettbewerben auch ihre Minuten bekommen.
Und sonst? Auch wenn sich die wirtschaftliche Lage bei den Bayern durch den Bundeszuschuss und die Verlängerung mit Hauptsponsor BayWa fürs Erste merklich entspannt hat, weiß der neue Coach auch, dass er nicht viele Schüsse frei haben wird. Die aber müssen dementsprechend sitzen. Zuletzt verdichteten sich die Gerüchte immer mehr, dass der bei Olympiakos Piräus verabschiedete US-Guard Wade Baldwin einer davon sein könnte. „Wir müssen bei der Auswahl der Spieler sehr genau sein, wer zu dem passt, was wir erreichen wollen“, betonte Trinchieri.
Ein unverzichtbares Kriterium ist dabei vor allem die unbedingte Hingabe. „Bei Talent und Fähigkeiten kannst du Kompromisse machen“, sagte der Neu-Bayer, „aber bei Dingen wie Einsatz und Hingabe kannst du keine Kompromisse machen. Ich erwarte, dass meine Spieler immer 100 Prozent geben.“