Berchtesgaden – Zwei Jahre lang planten, schufteten und werkelten die fleißigen Helfer, seit Dienstag ist sie fertig: die neue Halfpipe der deutschen Snowboarder. Der Verband kämpft seit Jahren um bessere Trainingsmöglichkeiten für seinen Freestyle-Nachwuchs, da eine Schnee-Variante in den hiesigen Skigebieten bisher nicht zu realisieren war, gibt es jetzt zumindest eine Skate-Pipe. „Sicher ist Skate- nicht gleich Schneetraining. Aber das Skateboard hat hohe koordinative Anforderungen. Und auch die Lande- und Absprungspezifik ähneln sich“, erklärt Nachwuchstrainer Friedl May, der sich als Ideengeber bereits seit acht Jahren um das Projekt bemühte.
Realisiert werden konnte es durch das Engagement vieler Trainer und Athleten und durch die finanzielle Hilfe des Deutschen Olympischen Sportbundes, des SV Chiemgau und der Stiftung der CJD Christophorusschulen in Berchtesgaden. Dort steht die dreieinhalb Meter hohe, acht Meter breite und 15 Meter lang Halfpipe, samt Skatepark und kann auch von den Schülern mitbenutzt werden. Wie groß der Profit sein kann, sieht man an Olympiasieger Shaun White (33) und Silbermedaillengewinner Ayumu Hirano (21), die beide extrem viel in einer Skate-Halfpipe trainiert haben.
„Sie bietet sehr großes Potenzial im Nachwuchsbereich, für uns ist das ein Generationenprojekt“, so May. Aktuelle Aushängeschilder wie Leilani Ettel (19) oder Andre Höflich (23) können nun acht Monate im Jahr an der Basisarbeit und am Brettgefühl arbeiten. Die Wiederholungszahl ist enorm, zudem fallen Zeitverluste durch Liftfahren oder Bordpräparierung weg. Die ganz großen Auswirkungen werden aber wohl erst die Stars von morgen spüren.
Im Winter kann die Anlage nicht benutzt werden. „Die Walls sind aus Plastik, der Schnee würde daran nicht halten“, erklärt May, der mit seinen Athleten in den kalten Monaten weiter in die Schweiz (Laax) oder in Österreich (Kühtai, Kitzsteinhorn) trainieren wird. Eine Schnee-Halfpipe in Deutschland verfolgt der Verband nicht mehr mit Hochdruck. Aber ein Ziel hat May noch: „Der letzte Step wäre ein eigenes Landing Bag. Das wäre das i-Tüpferl und meiner Meinung ein Muss, wenn man auf Dauer ganz vorne mitspielen will.“ Hoffentlich dauert die Umsetzung nicht wieder acht Jahre. MATHIAS MÜLLER