Neuer Typ im Profi-Fußball

Leon Goretzka – wohltuend anders

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Was haben Stefan Effenberg und Mario Basler gemeinsam? Richtig, beide waren Spieler beim FC Bayern und haben jahrelang das Gesicht des Rekordmeisters geprägt. Aber sie verbindet noch eins: Ihre Lieblingssportart seit dem Karriereende – das Fordern von Typen. Eine simple Disziplin. Man nimmt Platz bei einem TV-Stammtisch und qualifiziert die Fußballer der aktuellen Generation als stromlinienförmige Ja-Sager ab. Und befürchtet zukünftige Erfolglosigkeit mit diesen „Luftpumpen“ (O-Ton Mario Basler).

Im Vergleich zu ihrem eigenen Charakter mögen sie gar Recht haben. In ihrer Außendarstellung lässt es die derzeitige Generation bei Weitem nicht so krachen wie Effenberg und Basler. Dafür haben viele aus ihr bereits mehr Titel eingefahren als das Zampano-Duo. Besonders mit der Nationalmannschaft.

Aber nun darf man die Kritik auch nicht als völlig haltlos herunterreden. Zahlreiche Fußballer-Phrasen zeugen nicht wirklich von viel Kreativität. Doch es gibt Hoffnung. In den letzten Wochen, ja fast schon Monaten, ist ein Silberstreif am Horizont aufgetaucht. Namens Leon Goretzka. Der Bayern-Profi hat sich zu einem unverwechselbaren Typen entwickelt.

Zunächst ist er in der Debatte um Rassismus in den Stadien als einer der wenigen Profis aufgefallen, der nicht schweigt, sondern Stellung bezieht. In der Corona-Krise handelt Goretzka – mit Joshua Kimmich – als einer der ersten und ruft die Initiative „We kick Corona“ ins Leben, um karitative Vereine zu unterstützen. Aber es sind nicht nur ernsthafte Themen, die der 25-Jährige besetzt. In der Zwangspause stählt er seinen Körper und begeistert durch Mucki-Bilder, mit denen selbst Adonis Robert Lewandowski schwer mithalten kann. Apropos: Als der Pole zum ersten Training nach der Mini-Sommerpause im Bentley vorfährt, radelt Goretzka im Holland-Rad (Typ Gazelle) in die Säbener Straße.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Goretzka auf dieser Sympathiewelle surft, weil er sie mit starken sportlichen Leistungen antreibt. Vielleicht kann er Basler und Effenberg beweisen, dass man als Typ auch kontinuierlich auf allerhöchstem Niveau spielen kann. Langfristige Bodenhaftung vorausgesetzt. Diesen Beweis sind die beiden Chef-Kritiker „vom alten Schlag“ nämlich in ihrer Karriere schuldig geblieben.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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