Ein Verband vor dem Scherbenhaufen

von Redaktion

FOOTBALL Munich Cowboys sind bereit für eine mögliche Saison in der GFL – Zehn Erstligaklubs verkünden Rückzug

München – Die Munich Cowboys sind zurück im Mannschaftstraining. Für den Traditionsverein ist klar: Solange die Rahmenbedingungen stimmen, will man an einer möglichen Saison der German Football Liga (GFL) teilnehmen. Damit gehört man zur Minderheit. Denn zehn der 16 Erstligaklubs haben am Wochenende ihren Rückzug verkündet. Der American Football Verband Deutschland (AFVD) steht vor einem Scherbenhaufen.

Kritikpunkt: Für eine kurzfristige Nicht-Teilnahme am Spielbetrieb ist eine Begründung verpflichtend. Grundsätzliche Bedenken wegen der Corona-Pandemie sind dafür nicht ausreichend. Die Liga hatte sich gewünscht, dass die Vereine bei einer Absage keinerlei Sanktionen zu befürchten haben. Der Verband ließ sich aber die Option offen, bei einer fehlenden Begründung die Lizenz für die Saison 2021 einzubehalten. Das brachte das Fass für viele Clubs zum Überlaufen.

Schließlich muss man bereits um die Gesundheit der Mitglieder und wirtschaftliche Sicherheit bangen. „Das Risiko ist nicht zu leugnen“, sagt Werner L. Maier. Der Präsident der Munich Cowboys erinnert sich an ein Treffen der Vereine im April: „Neun von zehn haben sich schon damals klar positioniert.“ Und den Spielbetrieb „aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus“ als unverantwortlich deklariert. Seiner Meinung nach ist das der ausschlaggebende Grund für den Rückzug. Nicht etwa, wie von vielen Clubs kommuniziert, das fehlende Vertrauen in den Verband. Maier findet, der AFVD habe nachvollziehbar gehandelt. Allerdings gebe es im zwischenmenschlichen Bereich schon seit geraumer Zeit Probleme. „Die aktuelle Situation zeigt die Schwachstellen auf“, sagt Maier, der davon ausgeht, dass diese Entwicklung „erhebliche Veränderungen“ nach sich ziehen wird.

Nun müsse „man sich genau überlegen, wie man in Zukunft miteinander umgeht“. Am Freitag treffen sich dann die Vertreter der verbliebenen GFL- und GFL2-Teams, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Findet die Saison statt, wäre der 5. September etwa ein möglicher Auftakttermin. „Wir können es uns leisten, abzuwarten“, sagt Maier. Wirtschaftlich sei man im Gegensatz zu anderen Vereinen gut aufgestellt. JULIAN NETT

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