Proteste in NHL und NBA Der Sport schultert Verantwortung

von Redaktion

PATRICK REICHELT

Sie haben zum Wiedereinstieg in den Spielbetrieb ein starkes Zeichen angekündigt, und die Profis der amerikanischen Profiligen NBA und NHL haben es gesetzt. In Orlando knieten die Basketballer bei den Klängen der amerikanischen Hymne, in Toronto und Edmonton verschränkten die Eishockeyprofis kollektiv die Arme. Zeichen der Einigkeit im Kampf gegen Rassismus. „Black lives matter“, schwarze Leben zählen, ist der Slogan dieser Tage.

Es ist noch nicht lange her, da schienen Aktionen wie diese undenkbar. Erinnert sei an den Football-Profi Colin Kaepernick, der sich ins Abseits beförderte, als er sich im August 2016 vor einem Trainingsspiel seiner San Francisco 49ers als Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze für die US-Hymne nicht erhob. Und auch wenn ihn nicht jeder dafür zum Landesverräter erklärte wie US-Präsident Donald Trump („Schafft den Hurensohn vom Feld, sofort!“), so war das Signal doch klar: Für politische Botschaften wie diese ist der Sport die falsche Bühne. Nicht umsonst verordneten sich die amerikanischen Profiligen auch Regeln, die Statements wie Kaepernicks untersagen.

Was jetzt passiert, gerade vier Jahre später, das sagt viel aus über den Zustand der US-amerikanischen Gesellschaft. Nicht zuletzt der gewaltsame Tod des Afro-Amerikaners George Floyd hat die Verhältnisse massiv verändert. Der Sport schultert Verantwortung und hat sich selbst zur Bühne des Protests gegen Rassismus gemacht. NHL wie NBA nutzen die besondere Aufmerksamkeit der Saisonfinals inmitten der Corona-Pandemie für ein deutliches politisches Statement.

Dass die Protagonisten aufpassen müssen, dabei nicht zu überdrehen, das liegt auf der Hand. Dass sich ein Basketball-Profi wie Oaklands (dunkelhäutiger) Forward Jonathan Isaac Fragen anhören muss, ob schwarze Leben für ihn denn nicht zählten, weil er zu den Klängen der Nationalhymne lieber still betete als niederzuknien, das ist zumindest bedenklich. Denn Protest darf nicht verordnet sein. Leuten wie Isaac, Miami-Profi Meyers Leonard oder auch San Antonios Trainer-Guru Gregg Popovich muss es freistehen, sich für einen eigenen Weg zu entscheiden. Denn wer Toleranz und Weltoffenheit einfordert, der muss Toleranz und Weltoffenheit auch selbst vorleben.

patrick.reichelt@ovb.net

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