München – Die Hiobsbotschaft des Tages hatte sich Günther Gorenzel für den Schluss der digitalen Pressekonferenz aufgehoben. „Wir haben aktive Corona-Fälle in unserer U 19-Mannschaft. Sämtliche Spieler und alle Kontaktpersonen sind in häusliche Quarantäne geschickt worden – sie müssen sich jetzt isolieren“, sagte der Sport-Geschäftsführer des TSV 1860. „Namen oder Details werden wir nicht nach außen geben.“ Das für gestern geplante Testspiel gegen den FC Augsburg sei sofort abgesagt worden. Wichtige Ergänzung: Die Profimannschaft sei „in keiner Weise davon betroffen“, wie umgehende Tests ergeben hätten – dem Hygienekonzept mit strikter räumlicher Trennung der verschiedenen Teams sei Dank. Gorenzel: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir alles tun werden, um weitere Infektionen zu verhindern.“
Corona-Alarm an der Grünwalder Straße – für die Sechziger kommt zum Auftakt der Vorbereitung gleich alles zusammen. Dabei lautet der Kommunikationsplan der sportlichen Führung: Das Positive im Negativen hervorheben, die chronische Geldknappheit als Chance für die Jugend verkaufen, so bitter es angesichts der anhaltenden Sprachlosigkeit zwischen den Gesellschaftern auch ist.
Beispiel Tim Rieder. „Es ist nicht meine Art, Druck auf den Verein auszuüben“, sagte Trainer Michael Köllner. „Aber natürlich wünsche ich mir, dass Tim weiter verpflichtet wird.“ Nur müsse man dazu „auch die Marktsituation realistisch beurteilen“. Rieder, vertraglich noch ein Jahr an den FC Augsburg gebunden und mit knapp 27 Jahren im besten Fußballeralter, liegen mehrere Angebote aus der Zweiten Liga vor. Zwar versicherte Gorenzel gestern, er sei im „intensiven Austausch“ mit Augsburgs Manager Stefan Reuter und Rieders Berater, Kriterien für ein weiteres Engagement des Sechsers bei 1860 habe man gemeinsam „herausgefiltert“. Aber: „Wir werden sehen, ob wir diese Kriterien auch erfüllen können.“
Die Aufstockung des Drei-Millionen-Euro-Etats ist dazu zwingend notwendig. Eine Möglichkeit dafür läge in der angestrebten Hypothek auf die Geschäftsstelle, um Sicherheiten für das Notdarlehen von Hauptsponsor „Die Bayerische“ (anteilig) in fußballerische Qualität investieren zu können. Köllner: „Ich versteife mich nicht darauf, Rieder zu bekommen. Wir tun gut daran, uns auf den Realismus zu beschränken.“
Ende August werde laut Gorenzel eine erneute Bestandsaufnahme erfolgen. Denkbar sind Lösungen mit Leihspielern. Möglicherweise müsse man „auf zwei, drei Positionen noch an den Stellschrauben drehen“, sagt Köllner. Die Ambitionen des Trainers bleiben bestehen: „Wir wollen eine starke Rolle in der Liga spielen. Aber es macht keinen Sinn, auf Gedeih und Verderb den Aufstieg auszurufen.“
Typisches Köllner-Schmunzeln: „Ich werde keine Bank überfallen, um die Wünsche der Leute zu befriedigen.“ LUDWIG KRAMMER