Die Champions League kehrt zurück

von Redaktion

Wer hat die besten Chancen auf das Finale? Welche Stars fallen aus? Der Königsklassen-Check

München – Es ist wieder soweit! Nach insgesamt 149 Tagen Abstinenz kehrt heute Abend endlich wieder die Champions League zurück. Zunächst werden die vier verbleibenden Achtelfinal-Rückspiele ausgetragen, der Rest des Turniers findet dann im einfachen Modus (ohne Hin- und Rückspiel) ab dem 12. August in Lissabon statt. Teams, Stars, Chancen: der Königsklassen-Check.

DIE ACHTELFINALS

Manchester City – Real Madrid: Es wird spannend im Etihad Stadium. Der 2:1-Erfolg der Citizens aus dem Hinspiel im Bernabéu ist ein gehöriges Pfund für die Mannschaft von Teammanager Pep Guardiola, doch gerade die Königlichen sind für ihre Aufholjagden bekannt. Hinzu kommt: Das Momentum spricht für die Elf von Trainer Zinedine Zidane. Das weiße Ballett ist seit der Rückkehr nach der Corona-Zwangspause ungeschlagen und hat die Saison mit dem ersten Ligatitel seit 2017 gekrönt. Bei ManCity war bereits vor dem Lockdown klar, dass Liverpool in der Premier League nicht mehr einzuholen sein würde. Auch im FA Cup war im Halbfinale gegen Arsenal Schluss. Real hat zudem eine Woche länger pausiert, muss jedoch ohne den gesperrten Kapitän Sergio Ramos und Gareth Bale (nicht nominiert) auskommen. Chancen: 60:40.

Juventus Turin – Olympique Lyon: Die Partie zwischen Italienern und Franzosen ist ebenfalls eine Wundertüte. Das Hinspiel ging 1:0 zugunsten Lyons aus, das Rückspiel steht jedoch unter völlig veränderten Vorzeichen. Der Grund: Aufgrund des Abbruchs der französischen Ligue 1 infolge von Corona ist die Mannschaft von Trainer Rudi Garcia quasi seit März aus dem Wettbewerbsrhythmus und hat seitdem gerade einmal ein Pflichtspiel absolviert: die Elfmeterpleite gegen PSG im Ligapokalfinale. Aktuell befindet sich Lyon in der Vorbereitung auf die neue Ligasaison, dessen erster Spieltag just am Tag des CL-Endspiels angesetzt wurde, und hat von vier Testspielen drei gewonnen. Juve kommt zwar aus dem Rhythmus der erst vergangenen Woche kulminierten Serie A, die Eindrücke der Mannschaft um Superstar Cristiano Ronaldo verleiten jedoch auch nur bedingt zu Optimismus: in der Liga gab es sechs Siege, zwei Remis und vier Pleiten. Chancen: 50:50.

FC Barcelona – SSC Neapel: Eine gefährliche Angelegenheit, in erster Linie aufgrund der aktuellen Lage in Katalonien. Seit Wochen schießen neue Corona-Fälle in die Höhe, weshalb Neapels Präsident Aurelio De Laurentiis bereits seinen Unmut darüber geäußert hat, dass die UEFA am Spielort festhält. In sportlicher Hinsicht sind seine Neapolitaner nach dem 1:1 aus dem Camp Nou und den jüngsten Eindrücken klar im Vorteil: In der Serie A holte das Team um Europas besten Ligaknipser Ciro Immobile (36 Treffer) sieben Siege, zwei Remis und drei Pleiten, die Krönung erfolgte jedoch beim Triumph gegen Juventus im Pokalfinale. Nicht ganz so unbeschwert ist die Lage in Barcelona, wo Platz zwei in LaLiga auch Trainer Quique Setién ins Wackeln gebracht hat. Chancen: 40:60.

FC Bayern – Chelsea FC: Auch wenn Bayern-Trainer Hansi Flick es nicht zugeben mag – es müsste ein Wunder geschehen, damit die Londoner nach dem 0:3 aus dem Hinspiel an der Stamford Bridge noch ins Viertelfinale einziehen. Das hat nicht nur mit dem Ergebnis, sondern auch mit der bisherigen Formkurve des deutschen Rekordmeisters zu tun. Die Bayern haben seit dem 9. Februar (0:0 gegen Leipzig) jedes Spiel gewonnen, die letzte Pflichtspielpleite der Münchner (1:2 gegen Gladbach) datiert vom 7. Dezember 2019. Hinzu kommt: Der FC Bayern hat seine achte Meisterschaft in Serie sowie den DFB-Pokal geholt, sodass die Aussicht auf das zweite Triple der Vereinsgeschichte den Roten einen zusätzlichen Motivationsschub geben dürfte. Und Chelsea? Reist mit dem Mut der Verzweiflung in das Stadion, in dem es 2012 die Champions League gewann. Die Vorzeichen sind mit damals jedoch kaum zu vergleichen: Gerade die Ausfälle von Christian Pulisic, César Azpilicueta und Pedro treffen die Männer von Teammanager Frank Lampard ins Mark. Einen Lauf haben die Blues nach dem verlorenen FA-Cup-Finale gegen Arsenal nicht. Chancen: 90:10.

DIE VIERTELFINALS

Atlético Madrid – RB Leipzig: Eines von zwei bereits feststehenden Viertelfinals. Madrilenen und Leipziger haben ihr Ticket für das Finalturnier in Lissabon bereits gebucht. Als Favorit gelten die Roji-blancos, die nach einer irren Verlängerung im Achtelfinal-Rückspiel den Titelverteidiger aus Liverpool aus dem Turnier schmissen. Mann der Stunde war damals Marcos Llorente, der seitdem im Atlético-Sturm gesetzt ist. Auch die Eindrücke seit Corona sind durchweg positiv: Die Mannschaft von Trainer Diego Pablo Simeone ist ungeschlagen. Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen nach dem sensationellen Achtelfinal-Triumph gegen Tottenham Hotspur reisen auch die Leipziger an. Einziges Manko: Superstar Timo Werner ist aufgrund seines Wechsels zu Chelsea nicht mehr mit von der Partie. Chancen: 60:40.

Atalanta Bergamo – Paris Saint-Germain: Das zweite feststehende Viertelfinale, das allein schon aufgrund der Saisonverläufe beider Mannschaften attraktiv ist. Auf der einen Seite der Überraschungs-Viertelfinalist aus Bergamo, der bei 98 Treffern das dritttorgefährlichste Team der fünf europäischen Top-Ligen (hinter Bayern mit 100 und City mit 102 Toren) stellt, auf der anderen das wohl gefürchtetste Dreiergespann Europas mit Kylian Mbappé, Neymar und Mauro Icardi. Das Momentum spricht für den Underdog aus Italien: Die Mannschaft von Trainer Gian Piero Gasperini ist bei 27 von 36 möglichen Punkten die zweitbeste Truppeseit der Corona-Pause und hat die Spielzeit mit Platz drei gekrönt. Gefühlter Favorit bleibt dennoch PSG – und das obwohl die Franzosen aufgrund des Abbruchs der Ligue 1 seit März zwei Pflichtspiele bestritten hat: die Finals um den Pokal und Ligapokal, die beide jedoch zugunsten von PSG ausgingen. Wermutstropfen: Edinson Cavani und Thomas Meunier (jetzt BVB) ließen ihre Verträge auslaufen und sind nicht mehr dabei. Chancen: 40:60.

JOSÈ CARLOS MENZEL LÒPEZ

Artikel 4 von 11