Nadal sagt für US Open ab

Vom Statement zur Farce

von Redaktion

DANIEL MÜKSCH

Sie sollten einen Neuanfang symbolisieren. Die US Open Ende August in New York. Ein internationales Tennisturnier, zu dem Athleten aus der ganzen Welt reisen und zeigen: Es gibt ein Leben, einen Sport nach Covid-19. Doch die Hoffnung weicht allmählich der Ernüchterung. Immer mehr Topstars sagen ab. Letzte Woche die Nummer 1 der Damen, die Australierin Ashleigh Barty. Nun der bis dato härtestete Schlag für die Veranstalter: Titelverteidiger Rafael Nadal wird sich nicht auf den Weg in die USA begeben.

Der Spanier verweist auf die steigenden Corona-Zahlen weltweit und beklagt, man habe das Virus immer noch nicht unter Kontrolle. Der sportliche Wert des Turniers wird damit immer fragwürdiger. Wobei Roger Federer aufgrund einer Knieverletzung bereits vor der Corona-Pause seine Saison beendet hat. Novak Djokovic, als Letzter der großen Drei, wird wohl spielen. Sich glaubwürdig auf Corona-Bedenken zu berufen, würde dem Erfinder der unsäglichen Adria-Tour mit Tausenden Fans und Party-Atmosphäre auch kaum gelingen.

Das erhoffte Statement droht für die Veranstalter nun zum Bumerang zu werden. Der US-Verband (USTA) wird nämlich nicht müde zu betonen, dass er das Turnier im Stadtteil Queens auf jeden Fall durchziehen wird, lässt sich von den Absagen nicht abschrecken. Was treibt die Organisatoren an? Die Antwort kommt nicht überraschend: Geld. Die Grand-Slam-Turniere sind für die austragenden Nationalverbände finanziell so wichtig, dass sie auf die Einnahmen nicht verzichten wollen oder können. Letztes Jahr setzte die USTA mit dem Event fast 300 Millionen Dollar um. Darin enthalten sind natürlich Ticketverkäufe, Souvenirs und Ähnliches. Dieses Jahr würde es weniger werden. Aber ähnlich wie in der Fußball-Bundesliga machen die TV-Einnahmen den Großteil des Gewinns aus. Diese würden bei einem halbwegs normalen Turnierverlauf weiter fließen.

Eine so große Absagenflut, dass gar nicht aufgeschlagen werden kann, wird es nicht geben. Nicht viele Profis sind in einer so komfortablen Situation wie Rafael Nadal. Sie müssen wieder spielen, um Geld zu verdienen. Nicht der sportliche Wert oder die Symbolik diktieren das Handeln im Profi-Sport, sondern das Geld. Das war vor Corona so. Das ist während der Krise so. Und es wird auch danach so sein. Nicht schön, aber die Realität.

Daniel.Mueksch@ovb.net

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