München – Thomas Müller mimt ja gerne mal den Teamsprecher. Und wenn der 30-Jährige so dachte, dann wird es den meisten so ergangen sein. „Am liebsten“, erzählte Müller zuletzt im „SZ“-Interview über Bayerns Fitness-Chef Holger Broich, „hätten wir ihn manchmal auf den Mond geschossen.“ Noch ein bisschen schneller, noch ein bisschen weiter, noch ein bisschen intensiver: Die Anweisungen des 45-Jährigen nerven die Profis – aber sie haben einen Effekt.
„Wir haben nach der Corona-Pause ja selbst erlebt, wie schnell sich harte Arbeit auszahlt“, führte Müller aus. „Mit einem gequälten Lächeln“ haben er und seine Kollegen daher auch „das intensive Programm akzeptiert, das unser lieber Professor Broich nach den 13 Tagen Urlaub verordnet hat“. Schon in den ersten Cyber-Einheiten zu Hause ging es richtig zur Sache, an Intensität hat das Training nichts eingebüßt. Denn die Bayern wollen auch in der Champions League vom Fitness-Bonus profitieren, der sie nach der Corona-Pause ungeschlagen zum Double geführt hat.
Müde oder matt hat man die Spieler von Hansi Flick lange nicht gesehen. Die Belastungssteuerung – vom Chefcoach gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Leiter Broich und Fitness-Trainer Peter Schlösser ausgearbeitet – stimmt, die Profis fühlen sich fit und austrainiert. Im Gegensatz zu jenen, die im Kader des morgigen Achtelfinalgegners Chelsea stehen. Rund um den Vierten der Premier League nämlich hat sich zuletzt hinter vorgehaltener Hand eine unliebsame Fitnessdebatte entwickelt. Die intensiven Trainingseinheiten unter Frank Lampard, so sagt man, hätten ihren Teil dazu beigetragen, dass Chelsea arg dezimiert anreist. Die Verletztenliste ist lang und seit der Pleite im FA-Cup-Finale noch länger. 54 Pflichtspiele haben sie diese Saison schon bestritten. Nach dem 55. – gegen die fitten Bayern – wird aller Voraussicht nach Schluss sein.
„Wir brauchen eine Pause“, sagt Lampard, während die Bayern liebend gerne noch vier Partien bestreiten würden. Der kleine Urlaub hat gutgetan, ohne sich auf die Fitnesswerte negativ auszuwirken. Wie schon während des Lockdowns haben Broich und sein Team die Leistungsdaten auch im Heim-Training engmaschig kontrolliert, aufgezeichnet und ausgewertet. Sogar live. Wenn einer weit unter seinem Maximal-Niveau trainierte, wurde direkt ermahnt.
Ein großer Pool an Daten, über Jahre gesammelt, macht diese Art von Training möglich. Internistisch, orthopädisch, metabolisch, neuromuskulär: Die Bayern-Profis sind medizinisch durchleuchtet – und die Technik topmodern. Ausreden also haben in der Vorbereitung nicht gegolten. Das wussten Müller & Co. Deshalb ist Broich noch da – und nicht auf dem Mond. hlr