Bloß kein blaues Wunder

von Redaktion

Trotz des 3:0-Polsters: Die Bayern verpflichten sich gegen Chelsea zur Seriosität

VON JONAS AUSTERMANN

München – Künstliche Spannung wäre an dieser Stelle fehl am Platz. Das Champions-League-Achtelfinale zwischen dem FC Bayern und dem FC Chelsea ist bereits vor dem Rückspiel am Samstag (21 Uhr, Sky) in München so gut wie entschieden. Die Blues aus London reisen schließlich mit der mächtigen Hypothek einer 0:3-Hinspielpleite an.

Der FC Bayern geht die Partie dennoch mit der nötigen Portion Ernsthaftigkeit an. Der Tenor: Bloß kein blaues Wunder erleben. „Wir haben den notwendigen Respekt. Das ist die Art und Weise, wie wir jedes Spiel angehen“, sagte Trainer Hansi Flick. „Aber wir gehen natürlich selbstbewusst und optimistisch in das Spiel.“

Es spricht eben auch (fast) alles für die Münchner. Während Chelsea in der Liga mit Platz vier die Königsklassen-Quali glückte, geriet das FA-Cup-Finale zum Desaster für das Team von Frank Lampard. Neben der 1:2-Niederlage gegen Stadtrivale FC Arsenal verletzten sich im Endspiel auch noch Kapitän Cesar Azpilicueta, Offensiv-Wirbelwind Christian Pulisic und Pedro. Sie fehlen in München genauso wie die gesperrten Marcos Alonso (Rote Karte im Hinspiel) und Jorginho (3. Gelbe Karte).

Gut möglich, dass die Insel-Kicker mit dem Mut der Verzweiflung in München antreten. „Chelsea hat nichts zu verlieren und wird alles reinlegen – und genau so erwarten wir sie auch“, erklärt Flick. Kapitän Manuel Neuer pflichtet seinem Chefcoach bei: „Leichtfertig dürfen wir gar keine Partie angehen, gerade in der Champions League nicht. Wir haben ein gutes Polster, aber es ist für uns auch ein erneuter Restart.“ Die Bayern hatten ab dem 7. Juli zwei Wochen Urlaub, bestritten anschließend nur ein wenig aussagekräftiges Testspiel gegen Olympique Marseille (1:0). Chelsea hingegen musste seither sieben Pflichtspiele bestreiten. „Die Pause war nicht so lang, dass wir viel verloren haben“, glaubt Keeper Neuer. „Ich habe das Gefühl, dass wir voll im Saft stehen.“

Das gilt allerdings nicht für Kingsley Coman. Den französischen Flügelflitzer plagen muskuläre Probleme, er fällt wie Landsmann Benjamin Pavard (Bandverletzung an der Fußwurzel) gegen die Blues aus. Kandidaten als Ersatz sind Ivan Perisic und Philippe Coutinho. Das Rennen dürfte – etwas überraschend – der Brasilianer machen. Flick lobt ihn nahezu überschwänglich: „Philippe ist aktuell in einer sehr, sehr guten Form.“ Coutinho habe in der Corona-Pause und anschließend hart gearbeitet, um seine Fitness auf Topniveau zu bringen. Flick schwärmt: „Seine Qualitäten sind einzigartig. Er ist ein Spieler, der der Mannschaft Sicherheit im Ballbesitz geben kann.“ Und diese Form der Spielkontrolle klingt mit einem 3:0-Vorsprung durchaus vielversprechend.

Das Fehlen von Pavard wird der FC Bayern wie schon gegen Marseille mit einem kleinen Umbau kompensieren. Joshua Kimmich, zuletzt im defensiven Mittelfeld gesetzt, rückt auf die Rechtsverteidigerposition. Dafür darf Thiago im Zentrum ran und biegt auf die Zielgerade seiner Bayern-Zeit ein. „Er ist nach seiner Verletzung jetzt wieder voll da und ein wertvoller Spieler für uns. Thiago kann der Motor für unser Spiel sein“, erklärte Neuer, der auch privat einen guten Draht zum spanischen Kollegen pflegt. Am Samstag soll Thiago helfen, erst gar nicht die Gefahr eines blauen Wunders aufkommen zu lassen.

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