„Ich habe noch sehr viel zu geben“

von Redaktion

Die Gerüchteküche um Sebastian Vettel brodelt – was den Ex-Weltmeister nervt

Silverstone – Dass Sebastian Vettel oft im Mittelpunkt steht, ist keine Neuigkeit. Als viermaliger Weltmeister und 53-maliger Grand-Prix-Sieger kann er im Formel-1-Kosmos keinen Schritt tun, ohne dass mindestens eine Kamera auf ihn gerichtet ist. Seit Vettel allerdings die einzige echte Attraktion der Silly Season ist, kennt Big Brother kein Erbarmen mehr.

Sein flüchtiger Ellbogengruß mit Lawrence Stroll etwa war zwischen dem Doppelpack in Silverstone das große Tuschelthema. Die Rechnung ist ja auch einfach: Hochdekorierter Noch-Ferrari-Fahrer auf der Suche nach neuer Aufgabe grüßt im Vorbeilaufen den Besitzer des Rennstalls, der mit seiner Verpflichtung liebäugelt. It’s a match!

Vettel macht da nicht mit. „Ich habe auch schon Ellbogengrüße an Toto Wolff und Christian Horner (Teamchefs von Mercedes und Red Bull; d.Red.) verteilt“, konterte der 33-Jährige süffisant am Rande des fünften Saisonrennens (Sonntag, 15.10 Uhr/RTL und Sky). Weiter merkte Vettel an: „Ich finde es komisch, dass die Leute heutzutage wegen allem ein Fass aufmachen. Mit Menschen reden, die man kennt – das ist doch nicht ungewöhnlich.“

Aber zu Menschen in ein Auto steigen, die einen umwerben? Geschehen am vergangenen Sonntag, als Vettel gemeinsam mit Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer in dessen Ferrari 488 Pista die Strecke verließ. Dass es zu dieser Fahrt gekommen sei, „ist korrekt“, räumte Vettel ein und fügte kryptisch hinzu: „Wir waren auf dem Weg zur Tankstelle. Danach ist er nach Hause gefahren und ich woanders hin.“ Überhaupt, er kenne „den Otmar“ schon lange, „und ich saß auch schon mal in seinem Auto. Damals hat es bloß niemanden interessiert“, ulkte Vettel.

Es ist zumindest kurios: Durch seine Ausbootung bei Ferrari während der Corona-Zwangspause hat Vettel selbst das Transferkarussell früher als gewöhnlich in Gang gesetzt. Viele Teams haben deswegen schon ihre Plätze für 2021 vergeben, weswegen das berühmt-berüchtigte Sommertheater mit mehr oder weniger substanziellen Wechselgerüchten voll auf Vettel fokussiert ist.

Der wird laut „Gazzetta dello Sport“ für drei Jahre bei Racing Point unterschreiben und zugleich Markenbotschafter von Aston Martin, ab 2021 Namenssponsor des Rennstalls. Andere wiederum halten eine Rückkehr ins Red-Bull-Imperium für denkbar. Die Teamleitung schließt dies gebetsmühlenartig aus, allerdings sind bei Red Bull und dem Schwesterteam Alpha Tauri drei der vier Plätze für das kommende Jahr noch nicht vergeben. Ruhe hat in der Formel 1 nur, wer Fakten schafft.

Vettel selbst, der seine vier WM-Titel (2010 bis 2013) im Red Bull gefeiert hatte, äußerte klare Vorstellungen, unter welchen Bedingungen er in der Formel 1 bleiben würde. „Wenn das richtige Paket um die Ecke kommt, bin ich schon der Meinung, dass ich noch sehr viel zu geben habe“, sagte der Heppenheimer bei RTL: „Wenn das nicht der Fall ist, habe ich auf jeden Fall kein Interesse weiterzumachen, nur damit ich dabei bin.“

Bis zu einer Entscheidung würden wohl „noch ein paar Wochen“ vergehen.

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