London – Bei uns in London wird Chelseas CL-Triumph 2012 immer noch als das „Wunder von München“ bezeichnet. Doch wissen Sie was? Sollten die Blues am Samstag bei ihrer Rückkehr an den Ort ihres größten Triumphs entgegen wirklich aller Vorzeichen weiterkommen, wäre das um Längen unglaublicher als der Coup beim Finale dahoam.
Nur damit Sie sich ein Bild machen können, wie die Gemütslage an der Stamford Bridge vor dem Trip nach Deutschland ist: Nicht einmal Trainer Frank Lampard, der 2012 an diesem schier unglaublichen Tag auf dem Rasen stand und danach den Pokal in den Münchner Nachthimmel reckte, macht sich Hoffnungen. Die erste Saison des ehemaligen Kapitäns auf der Trainerbank seines Herzensclubs weckte zunächst große Hoffnungen bei den Fans, heute schwingt aber bereits eine gehörige Portion Enttäuschung mit.
Zunächst die Fakten: Trotz des im vergangenen Sommer auferlegten Transferverbots aufgrund einer in den Augen der FIFA unrechtmäßigen Anwerbung von Jugendspielern hat Chelsea die Premier-League-Saison auf Platz vier abgeschlossen – und ist damit kommende Spielzeit erneut in der Königsklasse mit von der Partie.
Bereits im November wurde der Club per Berufungsverfahren freigesprochen, und Lampard war durchaus enttäuscht, dass die Bosse dennoch nicht auf dem Wintertransfermarkt aktiv wurden, um ihm seinen so ersehnten Topstürmer zu liefern. Das wurde nun jedoch nachgeholt: Über 90 Millionen Euro hat Chelsea bereits in neue Kicker investiert – weder Timo Werner noch Hakim Ziyech werden jedoch bei Chelseas „Mission impossible“ in München mit von der Partie sein können.
Und als ob das 0:3 aus dem Hinspiel im Februar nicht genug wäre, sucht Chelsea obendrein eine Verletztenplage heim. Kapitän Cesar Azpilicueta, Christian Pulisic und Pedro verletzten sich bei der 1:2-Pleite im FA-Cup-Finale gegen Arsenal. Sie alle fallen gegen den deutschen Rekordmeister aus und erweitern damit ein Lazarett, in dem sich bereits N’Golo Kante und Willian befinden.
Dieser Trip nach München, wo der FC Bayern die Tickets nach Lissabon bereits gebucht hat, ist daher gefühlt wirklich das Letzte, wonach Lampard der Sinn vor seinem geplanten Kurzurlaub ab kommender Woche steht. Seine einzige Hoffnung: Dass die Knochen von Flicks Schützlingen einen Monat nach ihrem letzten offiziellen Pflichtspiel noch ein wenig eingerostet sind.
Doch selbst wenn: Gerade der Ausfall von Pulisic trifft Chelsea ins Mark. Der eine oder andere hatte schon aufgeschaut, als Chelsea Anfang 2019 satte 65 Millionen Euro für den US-Nationalspieler aufs Konto von Borussia Dortmund überwies. Er selbst belehrte diese Zweifler jedoch eines Besseren. Die Form des 21-Jährigen nach dem Lockdown war ein Hauptgrund, dass sich die Blues auch für die kommende Auflage der Königsklasse qualifizieren konnten. Im FA-Cup-Finale traf er ebenso. Als er jedoch kurz nach der Pause mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz musste, schwanden auch Chelseas Hoffnungen auf den Titel. Der Gegner am Samstag ist jedoch ein komplett anderes Kaliber. Für Chelsea geht es nur um eines: Schadensbegrenzung.