München – Wenn es jemanden gibt, der sich aus Rekorden, Prozentzahlen und Statistiken nichts macht, ist es Thomas Müller. Und so kam es dem 30-Jährigen nach dem 4:1 gegen Chelsea auch sicher nicht ungelegen, dass er über seine eigene Bestmarke gar nicht erst sprechen musste. Sie war an diesem Abend, an dem er hätte zwei Tore schießen können – eins davon sogar müssen –, nicht allzu interessant, weil so viel anderes passiert war. Und auch, weil sie in den kommenden beiden Wochen noch weiter ausgebaut werden dürfte.
112 Spiele hat Müller also nun seit Samstag in der Königsklasse bestritten. Das sind genauso viele, wie Philipp Lahm als bisheriger Spitzenreiter im Kreise des FC Bayern zwischen 2005 und 2017 gesammelt hat. Und es sind vier mehr als Manuel Neuer, der auf Rang drei steht. Läuft alles nach Plan – und ziehen die Bayern nach dem Viertelfinale gegen Barca ins Halbfinale und womöglich ins Endspiel ein – steht der Torhüter am Ende bei 111. Und Müller bei 115. Alleine an der Spitze der Liste.
Diese Zahlen braucht Müller freilich nicht, um irgendwann, wenn er 2023 womöglich aufhören und 130, 140 oder 150 Partien in der Königsklasse absolviert haben wird, als Bayern-Legende in die Geschichte einzugehen. Das ist er auch heute schon, also elf Jahre nach seinem Champions-League-Debüt 2009. Damals, beim 7:1 gegen Sporting Lissabon, wurde er von Jürgen Klinsmann in der 72. Minute für einen gewissen Bastian Schweinsteiger eingewechselt. 18 Minuten später stellte er per Abstauber den Endstand her.
Müller hat in diesem Wettbewerb schon alles erlebt. Herbe Niederlagen (2012), große Triumphe (2013), enge Kisten (Aus gegen Atletico 2016). Und er hat zuletzt auch davon gesprochen, dass seine Generation „vom Gefühl her“ ein paar Mal zu wenig im Endspiel stand. Er selbst war drei Mal dabei, 2010 und 2012 verloren die Bayern, 2013 triumphierten sie. So soll es heuer wieder sein. Müller will Titel, keine Bestmarken. Und Iker Casillas (177 Spiele) ist sowieso außer Reichweite. hlr