Mit bestem Gruß an Thomas Müller

von Redaktion

Lewandowski trifft, bereitet vor, ackert, rennt, erobert Bälle – und freut sich nun auf Messi

VON HANNA RAIF

München – Lieber Thomas Müller, dies ist eine Tageszeitung, und in dieser steht Folgendes: Robert Lewandowski ist ein herausragender Stürmer, aber der Pole kann deutlich mehr als Tore schießen. Er ackert in der Defensive, erobert Bälle, rennt wie irre, lässt sich nicht hängen und stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Zusammengefasst: Er gibt dem FC Bayern mehr, als die bloße Statistik ausweisen kann. Ist das in etwa in Ihrem Sinne?!

Diese Zeilen mussten sein, denn Müller hat sie in der Nacht zum Sonntag regelrecht eingefordert. Natürlich war auch Lewandowskis Offensivpartner auf die Leistung des Matchwinners angesprochen worden, der beim 4:1 gegen den FC Chelsea an allen Treffern beteiligt war. „Lewy hat das getan, was ihn weltweit bekannt macht“, hatte Müller auf die entsprechende Frage geantwortet, um dann ein ernstes Wort an die anwesenden Journalisten zu richten. Zu selten, führte er aus, lese er in den Print-Erzeugnissen der Republik über jene Qualitäten des Polen, die über seinen überaus ausgeprägten Torinstinkt hinausgehen. Er sei mannschaftsdienlich, und weil das außer ihm auch alle anderen sind, „sind wir aktuell so stark. Ich hoffe, dass das bis Ende August so bleibt.“

Anders ausgedrückt: Lewandowski spielt – wie viele andere – die bisher beste Saison seiner Karriere. Weil das Gesamtgefüge stimmt, kann sich der 31-Jährige entfalten. Er trifft nach Belieben. Mit seinem Doppelpack am Samstag, den Treffern Nummer zwölf und 13 in dieser Champions-League-Saison, ist sogar der Rekord von Cristiano Ronaldo aus der Saison 2013/14 greifbar (17 Treffer). Die Torschützenliste der Königsklasse führt er ohnehin an, sein persönliches Triple ist so gut wie sicher. In Bundesliga (34) und DFB-Pokal (6) war er bereits der Beste, in der Champions League liegt er acht Treffer vor den Verfolgern. Auf Platz zwei: Erling Haaland. Zehn Treffer, aber längst ausgeschieden.

„Das ist kein Ziel“, sagte Lewandowski zu den persönlichen Rekorden. Trotzdem weiß man aus Erfahrung, dass der Nationalspieler Bestmarken gerne mitnimmt. Sie sind im heutigen Fußball und im Kampf um die Krone als Weltfußballer genauso wichtig wie Titel und Trophäen. Der Henkelpott ist das Objekt der Begierde, so viele Tore wie möglich auf dem Weg dorthin aber würden nicht nur den Bayern, sondern auch Lewandowski selbst helfen. Besonders wichtig ist da freilich das Duell mit Lionel Messi im Viertelfinale. Wer besser ist? Müller: „Das werden wir am Freitag sehen. Man ist immer nur so gut, wie das letzte Spiel war.“

Nimmt man diese Aussage als Maßstab, konnte Lewandowski die Reise nach Portugal gestern beflügelt antreten. Und zudem in der Gewissheit, den K.o.-Spiel-Fluch, der ihn lange begleitet hat, eindrucksvoll beendet zu haben. Schon im Hinspiel gegen Chelsea hatte er – anders als in allen K.o.-Spielen seit 2018 zuvor – getroffen. Der Bann scheint gebrochen.

„Wir hätten nichts dagegen, wenn er so weiter macht“, sagte Flick. Und das, obwohl die Trainingsleistungen ab und an zu wünschen übrig lassen. Leon Goretzka verriet: „Im Training wollte ich ihn schon ansprechen, warum er nicht läuft . Er sagte: ,Warte mal Samstag ab!’“ Lewandowski lieferte.

Und die Gazetten schwärmen, Herr Müller!

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