Nicht der Tag der Deutschen

von Redaktion

NHL: Wer kann noch Stanley-Cup-Sieger werden?

München – Dafür also war Leon Draisaitl seit Mitte März in Edmonton geblieben, hatte die Zeit totgeschlagen und versucht, fit zu bleiben, lange auch durch Training mit seinem Hund: Dann war nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der NHL für den vielleicht besten Eishockeyspieler der Welt in dieser Saison binnen einer Woche alles vorbei. Drei von vier Partien gegen die Chicago Blackhawks gingen verloren, obwohl im Rogers Place, der den Oilers vertrauten Heimhalle, gespielt wurde. Zweimal hatte Draisaitl drei Scorerpunkte verbucht, zweimal blieb er ohne Ertrag, unterm Strick stand für Edmonton das Aus in der den Corona-Umständen geschuldeten neu eingeführten Playoff-Qualifikationsrunde. Die Oilers mussten erkennen, dass man mehr braucht als drei herausragende Stürmer (Draisaitl, Connor McDavid, Ryan Nugent-Hopkins), um in die Nähe des Stanley Cups zu kommen. „Wir haben unser Toplevel nie erreicht, und dafür ist die Liga einfach zu gut“, sagte ein enttäuschter Draisaitl.

Edmontons schneller Abgang ist auch eine Ernüchterung fürs deutsche Eishockey. Der Hochsommer bietet wenig Aktuelles im Sport, eine märchenhafte Geschichte aus Nordamerika hätte der Puckjagd Aufmerksamkeit verschafft. Doch die deutsche Beteiligung an den Playoffs ist recht überschaubar. Von vorneherein fehlten Marco Sturm (Co-Trainer Los Angeles), Ralph Krueger (Trainer Buffalo Sabres) und sein Stürmer Dominik Kahun sowie Lean Bergmann (San Jose) – diese Clubs gehörten gar nicht erst zu den besten 24, die zu den Turnieren geladen wurden. Am Freitag schied dann nicht nur Draisaitl mit den Oilers aus, sondern auch noch der Augsburger Nico Sturm, obwohl er für Minnesota Wild sein erstes NHL-Tor schoss, und Korbinian Holzer. Der Verteidiger musste mit den Nashville Predators in die Hockey-Blase in Edmonton, schaffte es aber nicht in den Spielkader. Ende Juni erst war er von Deutschland nach Amerika zurückgereist.

Wer ist noch dabei? Tobias Rieder wenigstens. Der Landshuter, 27, hat nach einem torlosen Jahr in Edmonton seine Karriere neu belebt, sammelte zwei Scorerpunkte für die Calgary Flames, die Winnipeg eliminierten und im Achtelfinale auf Washington treffen. Weiter kam auch Tom Kühnhackl mit den New York Islanders (3:1 gegen Florida), allerdings spielt der zweimalige Stanley-Cup-Gewinner nur eine kleine Rolle, erhält wenig Eiszeit (acht bis elf Minuten pro Partie). Torwart Thomas Greiss ist bei den Islanders, die es nun mit Boston zu tun bekommen (einem der Cup-Favoriten) nur Ersatz.

Anders als Philipp Grubauer in Colorado. Der Tormann aus Rosenheim ist gesetzt. Sein Team, die Avalanche, war für das Achtelfinale aufgrund der guten Saison qualifiziert. GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11