Verstappen schockt Mercedes

von Redaktion

FORMEL 1 Niederländer siegt in Silverstone – Hülkenberg 7. – Wütender Vettel abgeschlagen

Silverstone – Nach dem Frust-Erlebnis von Silverstone motzte Sebastian Vettel unverhohlen und kritisierte sogar seinen Ferrari-Rennstall. Ein Blitz-Dreher und eine verpatzte Reifenstrategie beim Taktik-Coup von Max Verstappen in Silverstone zerstörten das Rennen des viermaligen Formel-1-Weltmeisters vollends. „Ihr wisst, dass Ihr es verbockt habt“, meckerte der Hesse nach seinem ersten verfrühten Boxenstopp, der ihn beim Jubiläumsrennen der Motorsport-Königsklasse in heftigen Verkehr zurückschickte. „Nach dem ersten Stopp war dann Quark, von da an haben wir keinen guten Job gemacht, was die Strategie betrifft.“

Verstappen schockte dagegen im Taktik-Thriller mit seinem ersten Formel-1-Saisonsieg Branchenprimus Mercedes. Mit einer meisterhaften Reifen-Strategie verwies der Red-Bull-Mann am Sonntag das in diesem Jahr erstmals geschlagene Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf die Plätze zwei und drei. „Die Blasenbildung war absolut unerwartet“, klagte Hamilton über seine Reifenprobleme, nachdem ihm vor einer Woche sogar ein Gummi geplatzt war.

Der britische Weltmeister zog 70 Jahre nach dem ersten Grand Prix der Geschichte in England mit seinem 155. Podestplatz mit Michael Schumacher gleich und bleibt WM-Spitzenreiter mit 107 Punkten vor dem neuen Zweiten Verstappen (77 Zähler). „Wir waren heute einfach nicht konkurrenzfähig. Wir müssen uns überlegen, woran es lag“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. „Jungs, was für ein tolles Rennen. Ich danke euch, danke an die Fabrik. Wir geben weiter Gas“, sagte der glückliche Verstappen nach seinem neunten Karrieresieg und sprang seinen Ingenieuren und Mechanikern vor Freude in die Arme: „Wir werden das feiern!“

Vertretungsfahrer Nico Hülkenberg verpasste zwar in seinem zweiten Aushilfseinatz für Racing Point erneut das Podium, lieferte aber hinter Teamkollege Lance Stroll mit Platz sieben eine beachtliche Vorstellung ab. „Ich hatte eine Riesenblase hinten links, hatte massive Vibrationen. Wir sind quasi in einen dritten Stopp gezwungen worden“, meinte Hülkenberg über die Schlussphase. Es sei nicht das erwünschte „Märchen“, aber zumindest eine „solide Leistung“. Kommende Woche reist er weiter nach Barcelona, um sich bereit zu halten, sollte er erneut Sergio Perez ersetzen müssen, der wegen positiver einer Corona-Tests zwei Rennen bisher auslassen musste

Vettel geriet schon in der ersten Kurve mit seinem Ferrari ins Schlingern und drehte sich von der Piste. Der 33-Jährige hatte noch Glück, dass er keinen Konkurrenten touchierte. „Es gab einen Schlag von hinten, ich habe das Heck verloren“, klagte Vettel. Im Training hatte sein Ferrari einen Motorschaden gehabt, im Rennen wurde er von Startplatz elf erstmal ganz nach hinten durchgereicht.

Hülkenberg kam auch nicht so gut weg wie erhofft. Er habe auch nicht viel üben können, bemerkte Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer, lobte den Rheinländer aber im gleichen Atemzug für die Runden danach: „Er macht das gut.“

Der Ersatzmann des Mexikaners Perez bekam sofort Druck von Verstappen und verlor als sensationeller Start-Dritter gleich einen Platz. „Ich habe die Zugspitze vor mir, dabei bin ich kein Bergsteiger, habe aber meine Bergsteigerschuhe mitgebracht“, meinte Hülkenberg lachend vor seinem zweiten Renneinsatz für Racing Point, nachdem ihn vergangene Woche ein Kupplungsschaden ausgebremst hatte.  dpa

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