Joshiko Saibou ist 1,88 Meter groß. Das ist nicht das Gardemaß der Basketballer, man würde ihn also nicht gleich als jemanden wahrnehmen, der in diesem Sport in Deutschland einer der wichtigen Player ist. Und ehrlich: Wer außerhalb des Basketball-Blase hat Saibou, Spieler bei den Telekom Baskets Bonn und dem Dunstkreis der Nationalmannschaft zugehörig, außerhalb der Basketball-Blase bis vor ein paar Wochen gekannt? Nun hat er „Karriere“ gemacht. Als der Basketballer, der einen Mundschutz für einen Maulkorb hält und an der kruden Demonstration der Verschwörungsmystiker in Berlin teilnahm. Bonn setzte ihn vor die Tür. Fristlos.
Der weitere rechtliche Verlauf der Geschichte ist absehbar: Saibou dürfte Kündigungsschutzklage einreichen, die beiden Parteien werden sich vergleichen, es wird also noch Geld herausspringen für den Spieler. Dass er danach einen anderen Arbeitgeber in der Bundesliga findet, ist eher unwahrscheinlich, Saibou wird sich auf den internationalen Markt orientieren müssen. Dass er hierzulande ausgespielt hat, dürfte nach dem Statement von „Athleten Deutschland“ klar sein.
Dieser Verein gründete sich vor drei Jahren, um den Sportlern eine Stimme zu geben, es geht um Schutz, Mitbestimmung, Fairplay – über allem steht ein großes „Lasst uns vernünftig miteinander reden“. Saibou hat sich an die „Athleten Deutschland“ gewandt, für die das der erste knifflige Fall wurde. Ist Joshiko Saibous Meinung, ist sein Verhalten schützenswert? Wäre es im Sinne der anderen Sportler, für ihn einzutreten? Johannes Herber, Geschäftsführer der „Athleten“ und früher selbst Basketballer, hat Saibou abblitzen lassen. Man hätte, so steht es in der Stellungnahme, den Konflikt anders lösen können, Saibou rate man zwar, rechtlich gegen die Bonner Kündigung vorzugehen – aber: Von seiner Haltung zu Corona-Fragen distanziere man sich deutlich.
Die „Athleten Deutschland“ lassen sich also nicht instrumentalisieren. Man kann es nicht unterstützen, wenn Saibous Lebensgefährtin und Mitstreiterin, die Weitspringerin Alexandra Wester, sagt, die Athleten seien die neuen Sklaven und dass Sportler von der Gesellschaft in ihrer „Diversity“ unterstützt werden müssten. Das ist einfach blanker Unsinn. Die Verbreitung von Verschwörungserzählungen wie „Quanon“ (Wester) ist kein Ausdruck von Vielfalt, sondern von Einfalt. Und Versklavung ein Begriff, der in diesem Kontext die verhöhnt, die sie tatsächlich erleiden mussten.
Guenter.Klein@ovb.net