Corona in der Königsklasse

Fuenlabrada als mahnendes Beispiel

von Redaktion

HANNA RAIF

Wie irrwitzig diese Fußball-Saison ist, hat man erst am Freitag in Spanien gesehen. Da nämlich standen sich die Zweitligisten CF Fuenlabrada und Deportivo La Coruña gegenüber, und zwar mehrere Wochen, nachdem die Spielzeit eigentlich vorbei gewesen wäre. Das Ergebnis – Fuenlabrada verlor und verpasste die Playoffs – war mit Blick auf die Vorgeschichte dieser Partie zweitrangig. Diese nämlich fing mit 28 Corona-Fällen im Team an – und endete nach Betrugsvorwürfen und Ausschluss-Drohungen mit einem Gerichtsverfahren. Alles: so noch nie da gewesen. Alles: leidige Folgen von Corona.

In Spanien war die Geschichte des madrilenischen Vorort-Clubs freilich eine große. Denn sie stand und steht exemplarisch dafür, dass das Virus selbst in einer Branche wie dem Fußball grassiert; also in einer Blase, in der sich die Akteure eigentlich sicher fühlen. Es ist unberechenbar, auf Amateurplätzen genau wie in der zweiten Liga und selbst der Königsklasse. Wenn nun aus dem Tross von Atletico Madrid „gute“ Nachrichten kommen – bisher nur zwei Infizierte, das Viertelfinale gegen RB Leipzig kann stattfinden –, ist das nichts anderes als eine Momentaufnahme. Die Angst vor weiteren Fällen wird auch das Finalturnier von Lissabon begleiten.

Das Hygienekonzept der UEFA ist ausgereift und seitenlang, es berücksichtigt jede Eventualität. Für den konkreten Fall von Atletico gibt es natürlich auch klare Regeln. Die Partie gegen Leipzig morgen hätte nur dann nicht stattgefunden, wenn entweder weniger als 13 Spieler und ein Torhüter aus dem A-Kader zur Verfügung gestanden hätten oder aber das ganze Team von den Gesundheitsbehörden in Quarantäne geschickt worden wäre. Eine Verschiebung wäre die Option bei einem zu kleinen Kader gewesen, eine Absage – und die Wertung von 0:3 – jene bei Unpässlichkeit der gesamten Mannschaft. Für Leipzig wäre das der Freifahrtschein ins Halbfinale gewesen. In einem Wettbewerb, in dem man spätestens dann die Frage hätte stellen müssen, ob er aus sportlicher Sicht noch Sinn hat. Tendenz: eher nicht.

Das Szenario ist im Moment vom Tisch, kann aber genauso schnell, wie es da war, wieder aktuell werden. Auch beim CF Fuenlabrada gab es ja am Anfang nur ein paar Fälle – und kurz später 28. Der wichtigste Satz des UEFA-Konzepts steht daher im Prolog. Er lautet: „Die Dynamik der Lage ist unvorhersehbar.“ Und rechtfertigt – ganz nebenbei – auch die Entscheidung der deutschen Politik, bis auf Weiteres auf Zuschauer in den Bundesliga-Stadien zu verzichten. Der Fußball ist noch genug mit sich selbst beschäftigt.

Hanna.Raif@ovb.net

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