München – Während sich der FC Bayern auf das Champions-League-Turnier in Lissabon vorbereitet, wird der Verein im heimischen München von einem internen Rassismus-Vorfall erschüttert. Wie das WDR-Magazin „Sport Inside“ berichtet, werden gegen einen Jugendtrainer am Bayern-Campus schwere Vorwürfe erhoben.
Der WDR beruft sich dabei auf interne Chat-Protokolle, in denen sich besagter Nachwuchs-Coach rassistisch äußert. Diese sollen bereits zwei Jahre alt sein und wurden auch durch einen sogenannten Fake-Account auf Twitter verbreitet. Dieser wurde mittlerweile allerdings von Twitter selbst gelöscht. So soll beschuldigter Trainer das Foto eines Lastwagens mit der Aufschrift „Bimbo“ gepostet und mit den Worten „Transport. Hier werden die Neger von A nach B transportiert“ kommentiert haben. Ein anderes Mal bezeichnete der Campus-Mitarbeiter einen potenziellen Neuzugang als Neger.
Dem FC Bayern sind besagte Vorwürfe bekannt. Der Club leitete umgehend interne Ermittlungen ein, die aktuell immer noch anhalten. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob besagter Chat-Verlauf so geschah – oder es sich um eine Fälschung handelt. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, drohen dem Jugendtrainer drastische Konsequenzen. Alles andere wäre mit der Außendarstellung und dem Selbstverständnis des Rekordmeisters nicht vereinbar.
Immerhin starteten die Münchner erst kürzlich die Anti-Diskriminierungs-Kampagne „Rot gegen Rassismus“ und unterstützten die Black-lives-matter-Bewegung. „Der FC Bayern steht mit all seinen Teams, all seinen Spielern und Spielerinnen aus den unterschiedlichsten Nationen, mit all seinen Mitgliedern, Partnern und Freunden für eine Welt, in der Rassismus, Diskriminierung, Hass, Ungerechtigkeit und Gewalt keinen Platz haben. Es geht darum, aktiv und laut Farbe zu bekennen“, stellte Präsident Herbert Hainer nach dem Tod von George Floyd klar.
Die Rassimus-Vorwürfe sind nicht der einzige Grund, weshalb der FC Bayern bereits interne Untersuchungen gegen besagten Trainer einleitete: In der Vergangenheit wurden einigen Bayern-Verantwortlichen anonyme Briefe zugespielt, in denen sich der oder die Verfasser über die Trainingsmethoden des Jugendcoaches beschwerten. Laut WDR ist in den Briefen von sadistischem Straftraining, das einen Spieler kollabieren ließ, die Rede.
Auch diesen Vorwürfen ging der Verein damals umgehend nach, befragte unter anderem Jugendspieler und deren Eltern. Ergebnis: Besagter Trainer habe einen guten Ruf bei den Befragten. Darüber hinaus werden alle Spieler regelmäßig gebeten, ihre Trainer bei den zuständigen Sportpsychologen am Campus zu bewerten. Auch hier gab es keine Auffälligkeiten. Die Rassismus-Vorwürfe bleiben trotzdem bestehen – bis der Club seine internen Untersuchungen abgeschlossen hat. MANUEL BONKE