München – Der Fall des Basketballers Joshiko Saibou hat hohe Wellen geschlagen. Die Telekom Baskets Bonn kündigten ihrem Spielmacher fristlos, nachdem Saibou an der Coronademonstration in Berlin teilgenommen und anschließend Bilder von der Demo – ohne Mundschutz – auf Instagram gestellt hatte. Wolfgang Wiedlich (64), Präsident der Bonner, spricht im Interview mit unserer Zeitung über die Entscheidung, wie der Verein in Zukunft mit solchen Fällen umgehen möchte und warum er glaubt, dass ein klärendes Gespräch mit Saibou keinen Sinn ergeben hätte.
Wie lief die interne Kommunikation ab, nachdem bekannt wurde, dass Joshiko Saibou an der Demonstration in Berlin teilgenommen hat und bevor die Entscheidung für die fristlose Kündigung getroffen wurde?
Es gab eine kurze Diskussion mit einem klaren Ergebnis: Kündigung.
Gab es keine Gegenstimmen im Verein, die Bedenken ob der Kündigung hatten?
In unserem Inner Circle gab es hier und dort natürlich die einen oder anderen Bedenken, aber letztlich sahen wir keinen anderen Ausweg. Der Club ist in dieser Hinsicht ein gebranntes Kind. Ende März hatten wir fünf Infizierte, davon waren drei erkrankt, eine Person lag wochenlang auf der Intensivstation und wurde künstlich beatmet. Da kann es uns niemand verdenken, dass wir für unsere Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeitern in hohem Maße sensibilisiert sind.
Der Verein hatte bereits das Gespräch mit Saibou gesucht, nachdem er sich Anfang Mai in einem Instagram-Video deutlich gegen die Corona-Schutzmaßnahmen aussprach. Wie lief das Gespräch ab?
Das Gespräch hat unser Sportmanager geführt. Tenor war: „Du tust weder Dir selbst noch uns einen Gefallen damit, wenn Du mit diesem Thema weiter so umgehst. Bitte ernsthaft drüber nachdenken. Das Thema Corona wird für uns alle von entscheidender Bedeutung sein in Hinblick auf die kommende Saison.“
Warum haben Sie nicht ein zweites Gespräch mit ihm gesucht und sich stattdessen gleich für die Kündigung entschieden?
Dazu muss man sich bewusst machen, dass der wirtschaftliche Fortbestand unserer Sport-Company mit umgerechnet 73 Vollzeitstellen in der nächsten Corona-Spielzeit in besonderem Maße davon abhängt, dass rund 15 Mitglieder des Bundesligateams konsequent jedes Infektionsrisiko in ihrer Freizeit meiden. Das ganze Gebilde ist nur so stabil wie sein schwächste Glied. Alle müssen sich aufeinander verlassen können, im Übrigen auch andere BBL-Teams im Wettkampf auf uns. Wenn wegen einem infizierten Lehrer ganze Schulen geschlossen werden, kann man sich vorstellen, was das für uns im Ernstfall bedeuten würde. Eine Teaminfektion muss unbedingt verhindert werden.
Saibou stellte also ein Infektionsrisiko dar.
Saibou hat ja nicht aus Vergesslichkeit mal eine Maske nicht getragen, sondern aus Überzeugung. Dabei verstieß er, wie andere Demo-Teilnehmer auch, gegen Auflagen, weshalb die Demonstration schließlich von der Polizei aufgelöst wurde. Wir glauben nicht, dass ein Verschwörungstheoretiker sich durch Gespräche von „seinem Weg“ abbringen lässt.
Haben Sie damit gerechnet, dass der Fall solch hohe Wellen schlagen wird?
Nein. Selbst das mediale Sommerloch erklärt den Aufruhr, insbesondere auf den Socialmedia-Kanälen, nicht. Wir waren regelrecht entsetzt, wie die Onliner selbst seriöser Medien erst mal nur „Nach Teilnahme an Corona-Demo entlassen“ texteten, was suggerierte, dass wir die Meinungsfreiheit eines Mitarbeiters missachteten. Tatsächlich geht es ja um etwas ganz anderes: Bei Saibou wurde aus Meinung Handlung.
Saibou bezeichnete die Kündigung als „Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit“. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Meinungsfreiheit bedeutet nicht Handlungsfreiheit. Er verwechselt da etwas. Saibou übersieht auch seine besondere Vorbildfunktion als deutscher Nationalspieler, aber das ist nicht unser Terrain, sondern das des Deutschen Basketball Bundes. Wir übersehen jedenfalls nicht unsere Fürsorgepflicht als Arbeitgeber für viele Angestellte und das Risiko für unsere Existenz.
Saibou veröffentlichte vor wenigen Tagen das Originalbild der Demonstration von ihm und Alexandra Wester auf Instagram. Auf dem Bild ist, anders als auf dem zuvor geposteten Ausschnitt, zu sehen, dass die Beiden genügend Abstand zu den Demonstranten haben. Kam die Kündigung doch etwas vorschnell?
Auf dem Bild ist eine Momentaufnahme zu sehen, aber auch auf diesem Foto erkenne ich keine Befolgung der Maskenpflicht.
Wäre die Kündigung auch erfolgt, wenn Saibou sich auf der Demonstration sichtlich an alle Hygieneregeln gehalten hätte?
Nein, sicherlich nicht.
Werden Sie in Zukunft bei ähnlichen Fällen genauso kompromisslos durchgreifen?
Ob Dopingsünder oder Corona-Leugner: Da sind wir verlässlich kompromisslos. Wir haben eine riesige Nachwuchsabteilung. Als Club muss man Haltung zeigen.
Interview: Nico-Marius Schmitz