„Die Benders schaue ich gerne an“

von Redaktion

1860-Mittelfeldmann Dennis Dressel über Vorbilder und seinen Status im Team

Dennis Dressel, die Mannschaft des TSV 1860 ist seit anderthalb Wochen wieder im Training. Wie läuft die Vorbereitung bislang?

Die Hitze ist schon nicht ohne. Es hat ein bissl gedauert, wieder reinzukommen – ein kleiner Muskelkater gehört dazu. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon mal vier Wochen Urlaub hatte. Aber ganz ehrlich: Die Zeit hat’s auch gebraucht nach der anstrengenden Restrunde, wo wir ja praktisch jeden dritten Tag gespielt haben.

Wie lange hat’s gedauert, bis die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg verdaut war?

Es ging. Natürlich war’s am Ende auch für uns bitter, aber wenn ich nach Ingolstadt schaue, wie es die gegen Nürnberg erwischt hat… da war das eher harmlos, was uns passiert ist. Insgesamt können wir stolz sein, dass wir bis zum Schluss im Rennen geblieben sind. Wir haben die Erwartungen übertroffen.

Aktuell wird die Nachrichtenlage mal wieder von finanziellen Engpässen bestimmt. Nicht wenige Beobachter prophezeien 1860 eine schwierige Saison. Wie sehr drückt die Situation auf Ihre Motivation?

Mir nimmt das weder die Konzentration noch die Motivation. Das Grundgerüst der Mannschaft steht, für Efkan ist Ede (Erik Tallig, d. Red.) gekommen, die Nachwuchsspieler hauen sich alle voll rein. Mal schauen, was noch passiert. Die Vorbereitung hat ja erst angefangen. Und die Transferzeit geht bis Oktober.

Gutes Stichwort. Sie sind spätestens mit Ihrem Dreierpack beim 3:0 gegen Haching in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Überspitzt formuliert: Wie fühlt man sich als angehendes Verkaufsobjekt?

Ich habe einen Vertrag bei Sechzig und konzentriere mich aufs Hier und Jetzt. Aber natürlich freut man sich über die Aufmerksamkeit.

Sehr diplomatisch formuliert. Ihr Berater Hermann Hummels attestierte Ihnen schon vor einem halben Jahr das Zeug zum Bundesligaspieler – bei entsprechender Weiterentwicklung.

Wenn er das sagt, dann wird da schon was dran sein (lacht). Natürlich will ich auf absehbare Zeit so hoch wie möglich spielen. Idealerweise mit Sechzig.

Welcher der zu Bundesliga-Stars gewordenen Ex-Löwen inspiriert Sie am meisten?

Spontan würde ich Julian Weigl sagen, weil wir uns von der Spielweise her ähneln. Aber auch die Benders schaue ich mir gern an. Hart im Nehmen, die beiden.

In der ersten Drittligasaison kamen Sie auf drei Einsätze, in der zweiten waren es 33. Wie hat sich Ihr Status in der Mannschaft verändert?

Respekt verschaffst du dir nur über regelmäßige Einsätze in der Startelf. Ich fühle mich jetzt als vollwertiger Teil der Mannschaft, übernehme mehr Verantwortung, bin lauter auf dem Platz. Und ich gebe den Nachwuchsspielern Tipps.

Dressel, der Juniorchef…

Damit kann ich leben (lacht). Mein Selbstvertrauen ist enorm gestiegen in der zweiten Saison. Ich traue mich öfter ins Dribbling, versuche auch mal den schwierigen, riskanteren Pass. Das System mit der Mittelfeld-Raute kommt mir sehr zugute. Auf der Acht habe ich viele Freiheiten und kann auch in die Offensive gehen. Das will ich künftig noch öfter machen.

Wann wäre die neue Saison eine gut?

Wenn wir schnell so viele Punkte wie nötig holen und dann befreit aufspielen können. Und wenn unsere Fans zurück ins Stadion dürfen. Die Stimmung im Grünwalder geht mir schon sehr ab. Uns allen. Aber es hilft nix, die Gesundheit geht vor.

Nach der letzten Saison sprechen manche Fans vom Aufstieg.

Das ist Sechzig. Wenn wir zweimal gewinnen, steigen wir auf, verlieren wir zweimal, geht’s dahin. Ich würd’ sagen, jetzt packen wir erst mal an!

Interview: Ludwig Krammer

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