Vor 20 Jahren gab es die erste Fernsehkonferenz der Bundesliga, und man wird ganz wehmütig, wenn man auf die Bilder der damaligen Crew blickt. Der große Fritz von Thurn und Taxis war dabei, Jörg Wontorra, der nach jungdynamischem Schwimmreporter von Radio Bremen aussah, Marcel Reif (anders als heute im „Doppelpass“ mit Socken in den Schuhen), der nun für den FC Bayern sprechende Dieter Nickles, der nicht älter gewordene Lausbub Michael Leopold, als Experten Rudi Völler (zum Expertenbeschimpfer wurde er erst drei Jahre später), Toni Schumacher und Bernd Schuster, der da gerade mal keine Trainerstelle in Spanien zu haben schien. Unvergesslich auch die Einheitskrawatten, Streifenlook – Premiere, aus dem irgendwann Sky wurde (über den Umweg „Premiere World“, bekannt aus dem Werbespot, in dem Lothar Matthäus mit einem Stein beinahe die unschuldigen Enten in einem See versenkt hätte) hatte immer schon einen Hang zur Uniformierung.
Dieter Müller erzählte uns neulich im Interview, dass es von seinem Bundesligarekordspiel mit sechs Toren – es war 1977 – keine Fernsehbilder gab. Früher waren nicht in jedem Stadion Kameras, im Jahr 2000 gab es plötzlich alles komplett zu sehen und auch noch live. Diese Realität war kühner als die Utopie, die wir mit der Bundesliga Aufgewachsenen hatten. Rückblickend muss man sagen, dass viel unternehmerischer Mut dazugehört hatte, aufs Pay-TV und diesen enormen Aufwand zu setzen, denn den großen Boom erlebte der Fußball erst nach der WM 2006. Sky darf man daher – bei aller auch angebrachten Kritik an den Mängeln des Produkts (Streaming läuft nicht richtig, undurchsichtige Preispolitik, unsensibel platzierte Werbung) – vor allem gratulieren, dass es sich gehalten hat; es gab Konkurrenten, die eben nicht lange durchhielten.
Glückwünsche muss man aber auch dem guten alten Radio entbieten. Denn es ist der Erfinder der Live-Konferenz, es etablierte dieses Format. Als es vor zwanzig Jahren hieß, das würde es nun auch mit bewegten Bildern geben, dachten viele, dass „Heute im Stadion“ ausgedient haben würde. Die Prophezeiung hat sich nicht erfüllt, das Live-Hörerlebnis hat überlebt. Und es ist sogar das schönere: Erst lässt man das Kopfkino spielen – und überprüft dann in der „Sportschau“, ob es so war, wie man es sich vorgestellt hat. So ist es uns lieb gewonnen, und es kostet nichts extra. Auch das zählt.
Guenter.Klein@ovb.net