Kniffe eines Turnier-Trainers

von Redaktion

Flick hat einen entscheidenden Vorteil in der K.o.-Runde – ans Triple dachte er schon im Winter

München – Einen ersten Eindruck von dieser besonderen Fähigkeit Hansi Flicks haben die Spieler des FC Bayern im Winter bekommen. Denn schon in Doha, als der Rekordmeister eine knappe Woche auf der Aspire Academy zu Gast war, hatte sich der neue Coach etwas ausgedacht. Er trommelte die Spieler aus ihren Hotelzimmern zusammen und zeigte ihnen, was er in Kleinstarbeit entworfen hatte. Eine astreine Triple-Präsentation. Für den damals Tabellendritten der Bundesliga, wohlgemerkt.

„Im Leben geht es um Ziele“, sagt der 55-Jährige heute, wo er schon Double-Sieger ist und im Finalturnier der Champions League mit seinem Team als Favorit gehandelt wird. Und er führt im Interview mit der „Sport Bild“ auch aus, was er sich damals, in seinem ersten Trainingslager mit den Bayern, gedacht hat. „Hätte ich als Ziel für die Rückrunde Platz zwei, Halbfinale im DFB-Pokal und Viertelfinale in der Champions League ausgeben sollen? Dann wäre ich der falsche Trainer für den FC Bayern.“ Ihm sei nach der Hinrunde schon „bewusst“ gewesen, „dass für dieses Team drei Titel drin sind“, deswegen habe er seine Powerpoint-Präsentation „als Anreiz präsentiert“. Ein knappes Dreivierteljahr und eine Corona-Halbserie später weiß man, dass sie Wirkung gezeigt hat.

Flick hat in seiner Laufbahn viel erlebt, am Schreibtisch, aber auch auf dem Platz. Und er verfügt im Vergleich zu allen anderen Trainern jener sieben Teams, die mit ihm um den Henkelpott kämpfen, über eine entscheidende Erfahrung mehr. In seiner Zeit als Co-Trainer von Joachim Löw lernte er, wie man eine Mannschaft durch ein Turnier führt. Die Spannung hoch halten, die Motivation herauskitzeln, ohne einen Lagerkoller aufkommen und die Stimmung kippen zu lassen – das ist sein Geheimnis. „Mit Sicherheit wird das helfen“, sagte Leon Goretzka nach den ersten zwei Tagen im Trainingslager von Lagos. Der Tapetenwechsel, den auch Flick befürwortet hat, bezeichnete der Nationalspieler als „perfekte Entscheidung. Wir haben hier die besten Rahmenbedingungen.“ Für Training und Taktik, aber auch für Teambuilding. Heute geht es weiter nach Lissabon.

Flicks Tag ist lang. Er beginnt weit vor dem Training und endet weit nach dem Abendessen. Denn der Chefcoach rückt vor Ort nicht von dem Credo ab, das sein Team in der Rückrunde so stark gemacht hat. „Kommunikation“, sagt er, „ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit“, es geht ihm um „gutes Miteinander und Vertrauen“. Daher behandelt er „jeden Menschen so, wie ich selbst gerne behandelt werden möchte“. Mit Respekt, mit Wertschätzung. Jugendspieler wie Stars. Reservemänner wie Torhüter ohne Einsatzchance.

Dass die persönlichen Gespräche unter den anfangs strengen Hygienevorschriften nach der Corona-Pause nicht möglich waren, hat Flick belastet. Er schätzt sie nun umso mehr. Das Wort „Triple“ fällt in diesen übrigens regelmäßig. Nicht mehr als Fernziel. Sondern als realistische Option. HANNA RAIF

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