Hoffen statt Handeln

von Redaktion

Noch immer sind dem TSV 1860 finanziell die Hände gebunden – Karger zu Elversberg

VON LUDWIG KRAMMER

München – Die Zukunft ist nebulös, Hoffen statt Handeln heißt die Devise der Gegenwart – also vermarkten die Löwen notgedrungen ihre Vergangenheit. Am Mittwoch war das neue Heimtrikot an der Reihe. Anders als die DFL gönnt der DFB „seinen“ Klubs als Veranstalter der Dritten Liga nicht erst bei drei, sondern schon bei einer Meisterschaft den schmucken Stern über dem Wappen des Leiberls. Im dritten Anlauf (und mit neuem Ausrüster) haben nun auch die Sechziger die Chance wahrgenommen. Das Ergebnis übergab Peter Grosser, Kapitän der 1966er-Meistermannschaft, gestern werbewirksam an Trainer Michael Köllner. Grosser meinte augenzwinkernd: „Ich hoffe, dass auch bei den neuen Löwen der Stern aufgeht!“

Damit zur Gegenwart. Also zu den Hiobsbotschaften, wer den Kader alles nicht verstärken wird. Nach dem Abgang von Abwehr-Stütze Aaron Berzel, der sich Aufsteiger Türkgücü anschloss, erklärten nun auch die höherklassig erfahrenen Nico Karger (zum saarländischen Club SV Elversberg in die Regionalliga Südwest) und Tim Rieder ihren Abschied aus Giesing. Es hat mich mit Stolz erfüllt, den Löwen auf der Brust zu tragen!… „Eines ist sicher: Ich werde den TSV 1860 München immer im Herzen tragen!“, schrieb Rieder bei Instagram. Zuletzt hatte Köllner seinen Sechser als unverzichtbaren „Basisspieler“ bezeichnet. „Natürlich wünsche ich mir, dass Rieder bleibt. Der Verein tut alles dafür.“ Alles?

Konkret konnte Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel in den vergangenen Wochen nicht mehr tun, als Rieder und dessen Berater Matthias Abel zu vertrösten. Der Saisonetat von drei Millionen Euro ist ausgereizt, eine Aufstockung durch Investor Hasan Ismaik, ein weiteres Sponsoring der Bayerischen oder die geplante Hypothek auf die Geschäftsstelle noch nicht reif für eine Umsetzung. Die Folge: Wöchentlich springen 1860 Kandidaten ab, die sich nicht mehr hinhalten lassen wollen oder können. Marvin Bakalorz (30) war so ein Fall, der zentrale Mittelfeldspieler wechselte von Hannover 96 nach Denizli in die erste türkische Liga. Auch bei Edgar Prib (30), ebenfalls in Hannover aussortiert, droht eine Absage. Die von Köllner geforderten „drei bis vier Qualitätsspieler“ sind angesichts der aktuellen Lage blankes Wunschdenken. Wie meinte Grosser gestern: „Das Trikot ist schön geworden, wirklich sehr gelungen. Aber entscheidend ist immer noch, wer drinsteckt.“ Alles gesagt.

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