Lissabon – Auf den Spuren der Königsklassen-Sieger Jürgen Klopp und Jupp Heynckes hat Thomas Tuchel seine größte Leistung als Trainer schon vor dem Endspiel der Champions League geschafft. Während der große Neymar in den sozialen Netzwerken euphorisch den finalen Angriff auf den Henkelpott in Lissabon ausrief, saß Weltmeister Kylian Mbappé auf dem knallroten Sessel im Keller des Estádio da Luz neben seinem deutschen Coach und sprach das Unvorstellbare ziemlich gelassen aus.
Neymar und Mbappé als demütige Teamplayer? „Wir sind nicht mehr so konzentriert auf uns beide. Wir haben es geschafft zu verstehen, dass wir mit den anderen gewinnen – und nicht nur zu zweit“, sagte der Stürmerstar nach dem spielend leichten Einzug ins Finale der Königsklasse von Paris Saint-Germain beim 3:0 gegen RB Leipzig. „Ja, ganz ehrlich, ja“, schob er nach, als könnte man ihn missverstehen. „Wir haben es geschafft, eine Mannschaft zu erschaffen, wo jeder seine Wichtigkeit kennt, jeder kennt auch seine Schwächen, wir sind zusammengeschweißt auf dem Platz, so gewinnt man auch“, sagte Mbappé. So sei es leichter, „Opfer zu bringen“.
Paris ist ein Team. Endlich. Mehr als eine Milliarde Euro haben die Geldgeber aus Katar in ihr Pariser Projekt und diverse Glamour-Boys des Fußballs in den vergangenen Jahren investiert. Wie eine Reminiszenz gratulierte Ex-Spieler David Beckham zum Finaleinzug. Für die Erkenntnis bei seinen Topstars, dass es gemeinsam leichter geht, brauchte auch Tuchel eine kleine Anlaufzeit. Doch jetzt ist er dem Henkelpott so nah wie nie zuvor.
„Wir haben heute Geschichte geschrieben, aber dabei wollen wir es nicht belassen, wir wollen mehr…“, schrieb Neymar auf Instagram. „Jetzt wollen wir die Schüssel, den Pokal, die Trophäe. Paris feiert“, jubilierte der 28-Jährige. Tatsächlich hatte er beim Sturmlauf gegen Leipzig demonstriert, wie gut er wirklich ist, wenn er sich auf den Fußball konzentriert. Dabei gelang ihm nicht einmal ein Tor. „Er ist einer der Besten der Welt. Er hat es heute wieder gezeigt. Vielleicht hat er nicht getroffen, aber wir wissen, dass das nicht das Wichtigste ist“, sagte Mbappé.
Die Party ging bis tief in die Nacht, für die Kicker am Hotel in Lissabon, für die tausenden Fans auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées. Es gab 36 Festnahmen. Man kann sich ausmalen, was im Falle eines Sieges am Sonntag passiert. dpa/mm