Die Frage für Flick: Abwehr umbauen?

von Redaktion

Taktik-Experte warnt vor zu aggressivem Pressing – PSG-Stärken liegen im Tempo der Stürmer

Lissabon – Cidade do Futebol, Freitagvormittag, kurz nach elf Uhr: Jérôme Boateng dreht gemeinsam mit Fitness- und Rehatrainer Simon Martinello ein paar Runden auf dem Trainingsgelände der portugiesischen Nationalmannschaft in Lissabon. Der Innenverteidiger wurde im Champions-League-Halbfinale gegen Lyon am Mittwoch wegen muskulärer Probleme ausgewechselt. Nach der freitäglichen Laufeinheit stellt sich nun die Frage bei Boateng: Wettlauf gegen die Zeit? Oder ein Schritt Richtung Finale?

Klar ist: Trainer Hansi Flick würde seine Viererkette nur ungern im Finale umstellen. In der jüngeren Vergangenheit schwärmte er regelmäßig von seiner Abwehrreihe. Zwar stünde mit Niklas Süle ein adäquater Boateng-Ersatz parat, doch dem Nationalspieler fehlt nach seinem Kreuzbandriss noch die nötige Spielpraxis.

Allerdings beschäftigt sich Flick ohnehin mit der Frage, ob er seine Viererkette unabhängig von der Möglichkeit des Boateng-Einsatzes umbauen sollte. Denn gegen Lyon offenbarte die Abwehrreihe mit Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger bei gegnerischen Kontern eklatante Schwächen. Eine Möglichkeit, um für mehr Stabilität in der Defensive zu sorgen, wäre, Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger zu bringen, Joshua Kimmich in die Zentrale zu ziehen und dafür den wohl abwandernden Thiago auf der Bank zu lassen. Pavard, zuletzt verletzt, war der Mannschaft vor dem Endspiel nach Lissabon hinterhergereist.

Taktik-Experte Markus Brunnschneider vom „Internationalen Fußball Institut“ in Ismaning warnt die Bayern vor einem zu aggressiven Pressing, das dem Gegner im Rückraum viel Platz bieten würde: „Die Bayern-Verteidiger versuchen, in diesen Situationen häufig auf Abseits zu spielen, indem sie die Laufbewegung nach hinten bis zum Zeitpunkt der Ballabgabe verzögern. Geschieht dies nicht synchron, wird das Abseits aufgehoben – das führte zuletzt im Spiel gegen Lyon zu guten Möglichkeiten für die Franzosen.“

Heißt im Klartext: Wenn die Bayern mit Abseitsfalle spielen, muss die auch zuschnappen. Brunnschneider: „Gegen die schnellen Mbappé, Di Maria und Co. wird es spannend sein zu sehen, ob die Münchner Verteidiger versuchen, die für PSG typischen tiefen Laufwege zu antizipieren und sich frühzeitig nach hinten abzusetzen, um die vielleicht entscheidenden Meter Vorsprung zu haben.“  bok

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