Finale in Corona-Zeiten

Gute Gründe zur Vorfreude

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Wie bizarr die Zeiten doch sind, zeigt allein schon der Termin des Höhepunkts in diesem Fußballjahr. 23. August 2020. Noch nie hat ein Finale um den innig begehrten Henkelpott so spät stattgefunden. Es ist der Schlusspunkt der einzigartig ungewöhnlichen Saison 2019/20. Sie wird also erst am Sonntag zu Ende gehen – unterdessen ist die Saison 2020/21 in Deutschland und auch anderswo mit Testspielen und Trainingslagern schon ins Rollen gekommen. Zugleich steht noch in den Sternen, wie genau es weitergehen wird. Die Corona-Pandemie hat auch den Fußball überschattet, ihn enorm in die Defensive gezwungen. Und doch offenbart das bevorstehende finale Duell in Lissabon zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain, dass es immer noch gute Gründe gibt, sich ein Fußballspiel anzuschauen.

Sicher, leere Stadien sind eine stark betrübliche Kulisse. Und es besteht kein Zweifel, dass die emotionale Wechselwirkung zwischen Fans und Sportlern zum Wesen des Fußballs gehört. Dennoch führte Abwesenheit des Publikums nicht dazu, dass das Fußballspiel an sich dramatisch darunter gelitten hätte. Für die Fernsehzuschauer präsentierte sich gerade die Endphase der Champions League als durchaus kurzweilig. Auch weil der aus der Not geborene Modus (Playoffs wie bei internationalen Turnieren) die Partien zusätzlich mit Spannung würzte. Und es lässt sich nicht bestreiten, dass sich der FC Bayern besonders gut mit den schwierigen Begleitumständen arrangierte. Die Münchner brachten sogar das Kunststück fertig, alle ihre 14 Geisterspiele (Bundesliga, Pokal, Europacup) zu gewinnen. Eine goldene Serie, die auch für die Moral der Mannschaft, für die ausgeprägte Fähigkeit zur Eigenmotivation spricht. Die Bayern machten aus der Not eine Tugend, es gelang ihnen sogar, mentale Stärke mit Spielkunst zu verbinden. Das Resultat war der 8:2-Spielrausch gegen den FC Barcelona. Wer hätte gedacht, dass unter Corona-Bedingungen ein Fußballspektakel möglich wäre? Die Roten haben sich also nicht unterkriegen lassen von Covid-19. Und damit ein schönes Signal ausgesandt.

Kein Wunder also, dass die Vorfreude auf das Finale so groß zu sein scheint, wie das schon immer üblich gewesen ist. Ob in München oder Paris. Und für viele Freunde des Fußballs eröffnet sich der erfreuliche Nebenaspekt, dass die Champions League erstmals in dieser Saison von einem öffentlich-rechtlichen Sender (ZDF) übertragen wird. Wobei hier noch angemerkt sei: Für Millionen von Fans ist das Verschwinden des Fußballs im Bezahlfernsehen weitaus schlimmer als Geisterspiele.

Armin.Gibis@ovb.net

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