„Ich sehe die Bayern zu 60 Prozent vorn“

von Redaktion

Die Clublegenden Augenthaler, Roth und Kahn zu den Münchner Endspielchancen

VON JONAS AUSTERMANN

München – Der FC Bayern ist im Final-Fieber. Am Sonntag geht’s für die Münchner im Champions-League-Endspiel gegen Paris Saint-Germain, es winkt sogar das zweite Triple nach 2013. Wie ist die Ausgangslage? Worauf kommt es in einem Endspiel an? Wer setzt sich am Ende durch? Wir fragten nach bei den Clublegenden Klaus Augenthaler, Franz „Bulle“ Roth und Oliver Kahn. Die Experten sind sich einig: Der FC Bayern wird das Rennen um den Henkelpott machen, aber leicht wird’s nicht.

Klaus Augenthaler (62/Europapokal-Finalist 1982 und 1987): „Man könnte vor dem Finale in Euphorie verfallen, aber ich sehe zwei Gesichter beim FC Bayern. Einerseits ist das Team nach dem Restart super drauf, andererseits hatte es gegen Lyon viel Glück. Das Pressing ist gut, aber die langen Bälle von Lyon waren gefährlich, weil es keine Absicherung gab. Hansi Flick weiß genau, was jetzt auf die Bayern zukommt. Bei Paris sind es nicht nur Neymar, Mbappé und Di Maria – es ist aller Ehren wert, was das Team gespielt hat. Tuchel macht hervorragende Arbeit, mittlerweile arbeitet ja sogar Neymar nach hinten. Das 8:2 gegen Barcelona verführt dazu, den FCB zum Favoriten zu stempeln, aber ich glaube nicht, dass er der klare Favorit ist. Das Finale werde ich alleine anschauen. Ich schaue immer alleine, weil ich keine Kommentare von anderen brauche. Jeder sieht das Spiel anders oder würde anders aufstellen, da halte ich mich raus.“

Franz „Bulle“ Roth (74/ 1974, 1975 und 1976): „Im Moment ist es ein Traum, dem FC Bayern zuzuschauen – wenn die ersten 20 Minuten nicht immer wären. Wenn sie die abstellen könnten, könnte ich mich bequem in den Sessel setzen, aber so muss man am Anfang immer die Pobacken zusammenkneifen. Aber sonst ist es eine super Mannschaft, sehr homogen. Ich glaube, dass sie am Sonntag den Titel holen. Ich sehe die Bayern mit 60 Prozent vorne. Die Routine ist in einem Endspiel schon auch ausschlaggebend. Ein Beispiel: Vor dem Europapokal-Finale 1976 gegen St. Etienne war der 20-jährige Karl-Heinz Rummenigge aufgeregt ohne Ende. Trainer Dettmar Cramer hat ihm dann zwei Gläschen Cognac verordnet. Am Sonntag werde ich mit meiner Familie schauen und trinke ein schönes Gläschen Wein dazu. So ein Titelgewinn ist einmalig! Bei mir hat es Tage gedauert, bis ich realisiert habe, was wir da geschafft haben.“

Oliver Kahn: (51/Champions-League-Sieger 2001): „Wir waren beim Champions-League-Sieg 2001 getrieben von der unangenehmen Niederlage 1999 gegen Manchester United. Das hat die Mannschaft enorm angetrieben, den Titel zu holen. Auch die Generation um Lahm und Schweinsteiger war in einer ähnlichen Situation. Sie hat das Finale dahoam ziemlich unglücklich verloren, war dann beseelt und getrieben, das wieder in Ordnung zu bringen. So ein Negativerlebnis hat die heutige Mannschaft nicht. Sie ist angetrieben vom Gedanken, immer besser werden zu wollen.“

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