Bilbao – Serge Gnabry und Co. haben es vorgemacht, jetzt sollen die Fußballerinnen von Bayern München nachziehen. Olympique Lyon heißt beim Champions-League-Finalturnier auch ihr Gegner, doch bei diesem Duell gelten andere Vorzeichen als bei den männlichen Kollegen. Also schickte Clubpräsident Herbert Hainer eine beflügelnde Botschaft ins Baskenland.
„Olympique Lyon ist im Frauenfußball so ziemlich das schwerste Los, das man bekommen kann. Aber ich bin für Euer Viertelfinal-Duell zuversichtlich“, schrieb Hainer in einem offenen Brief vor dem Turnierauftakt am Samstag (20.00 Uhr/Sport1) in Bilbao an Frauen-Trainer Jens Scheuer und dessen Team. Denn: „Wir sind der FC Bayern – Ihr seid der FC Bayern!“
Doch die Kräfteverhältnisse sind auf dem Papier eindeutig. Viermal in Folge hat das mit internationalen Stars gespickte Ensemble aus Frankreich den Henkelpott zuletzt gewonnen. Für die Münchnerinnen war im vergangenen Jahr als bisherige Bestleistung das Halbfinale drin. Das K.o.-Geisterturnier aber, das wie bei den Männern in Lissabon ohne Rückspiele stattfindet, könnte den Underdogs in die Karten spielen. Auch deshalb strahlte der deutsche Vizemeister enorme Zuversicht aus.
„Lyon ist natürlich auch nicht unverwundbar“, sagte Trainer Scheuer: „Wir sind bereit für einen guten Tag und dann schauen wir mal, wie Lyons Tagesform ist.“ Die neue Kapitänin Lina Magull betonte am Tag vor dem großen Spiel im San Mames: „Wir werden versuchen, es unseren Männern so gut es geht nachzuahmen.“
Der FC Bayern, das war in den vergangenen Monaten deutlich zu vernehmen, hat genug davon, nach den Meistertiteln 2015 und 2016 in der Frauen-Bundesliga ständig hinter dem VfL Wolfsburg die zweite Geige zu spielen. „Wir sind der FC Bayern. Daraus leitet sich auch ab, in jedem Bereich die Nummer eins zu sein“, sagte Hainer im März.
Titel sollen her, und was wäre da ein dickeres Ausrufezeichen als der erstmalige Triumph in der Königsklasse? Für den Großangriff wurde jüngst kräftig auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Trotz Coronakrise. Unter anderem kamen die hochkarätigen Youngster Klara Bühl (SC Freiburg) und Lea Schüller sowie die erfahrene Marina Hegering (beide SGS Essen) nach München. Im Gegensatz zum Männer-Turnier dürfen bei den Frauen sechs Neuzugänge gleich zum Einsatz kommen.
Für gelungenes und professionelles Frauenfußball-Investment ist „OL“ das perfekte Beispiel. Die Vision des spendablen Clubpräsidenten Jean-Michel Aulas hat die Branche nachhaltig verändert – dass er schon US-Superstars wie Megan Rapinoe oder Alex Morgan zu seinem Verein locken konnte, spricht für sich.
Auch aktuell hat es der Luxuskader in sich. Unter anderem zieht Deutschlands beste Fußballerin Dzsenifer Marozsan die Fäden. Und die 0:3-Halbfinalniederlage der Kollegen gegen die Bayern-Männer kann als Zusatzmotivation dienen, verriet Delphine Cascarino: „Jetzt liegt es an uns, gegen München zu gewinnen, damit eine kleine Revanche gelingt.“
Hainer drückt seinen Mädels umso mehr die Daumen. „Wir werden alle mit vollem Herzen dabei sein“, versprach der 66-Jährige, „und wir würden uns unheimlich freuen, wenn Ihr es wie die Männer ebenfalls ins Halbfinale und ins Endspiel schafft.“ sid