Lissabon – Manuel Neuer ist längst wieder der Alte. Wenn es dafür noch eines Beweises bedurft hatte, lieferte der 34-Jährige diesen gestern Abend im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain. Nur weil der überragende Torhüter die Null hielt, konnte der FC Bayern mit einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei das Triple perfekt machen.
Vergessen sind die wiederkehrenden Blessuren am Mittelfuß, die Neuer vor drei Jahren zu einer monatelangen Pause zwangen. Vergessen sind die zwischenzeitlichen Turbulenzen, die es um die Vertragsverlängerung des Keepers gegeben hatte. Wer könnte die jüngsten Leistungen von Neuer besser bewerten als die Münchner Torwartlegende Oliver Kahn? Der 51-Jährige ist als Vorstandsmitglied und designierter Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge wieder hautnah dabei an der Säbener Straße. Er erklärte bereits vor dem Endspiel: „Manuel ist einfach einmalig – auch, weil er es nach der schwierigen Zeit mit den Verletzungen und Weltmeisterschaft 2018 geschafft hat, sich Stück für Stück heranzuarbeiten.“
Gestern rettete Neuer herausragend gegen Neymar und dessen anschließenden Rückpass auf Di Maria (18.), kurz vor dem Halbzeitpfiff hielt er auch gegen den völlig freistehenden Kylian Mbappe – ebenso wie später gegen Marquinhos (70.). „Ein Torwart beim FC Bayern wird nicht dauerhaft beschäftigt, aber er muss da sein, wenn er gebraucht wird“, sagte Kahn.
Dass sich selbst die besten Angreifer der Welt immer wieder die Zähne an Neuer ausbeißen, ist für den Bayern-Vorstand kein Wunder: „Als Stürmer weiß man in Eins-gegen-eins-Situationen, dass man es mit dem wohl besten Torwart der Welt zu tun hat.“
Das Fundament für diese Leistungen legt Neuer in der täglichen Arbeit an der Säbener Straße. Kahn erklärt: „Ich sehe jetzt, mit welcher Akribie und Professionalität er auf seinen Körper und seine Fitness achtet. Da ist es bei dem Talent, das er mitbringt, kein Wunder, dass er immer wieder Top-Leistungen bringt.“
Und ein Ende ist nicht in Sicht. Kahn hängte seine Handschuhe erst im Alter von 38 Jahren an den Nagel und ist der Überzeugung: „Torhüter werden nicht schlechter, wenn sie älter werden. Sie werden Stück für Stück besser. Manuel kann noch einige Jahre auf sehr hohem Niveau spielen.“ Ab sofort jagt Neuer sein drittes Triple. JONAS AUSTERMANN