Europa zittert

von Redaktion

Jung, hungrig, harmonisch – Triple-Bayern könnten eine Ära prägen

VON MANUEL BONKE

Lissabon – Das Penha Longa Ressort glich einem roten Palast. Mit Laser- und Lichteffekten wurden die Bayern nach ihrem Triple-Coup im Teamhotel empfangen, wo die interne Feier stattfand. Über der Bühne, wo die Spieler ausgelassen tanzten (siehe Bericht auf Seite 19), prangten abwechselnd das Bayern-Logo und der Henkelpott. „Willkommen, Champions von Europa“ war auf der Wand zu lesen, als Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit seiner Rede begann.

„Ich möchte eigentlich nur Danke sagen. Danke für das, was wir in den zehn Tagen erleben durften. Das war das größte Spektakel, das ich jemals erleben durfte – und ich bin ja schon lange im Geschäft“, sagte er. „Ich habe selten einen verschworeneren Haufen erlebt als diese Truppe.“ Die Frage, die sich nach dem FCB-Triumph in der Champions League stellt: Wer soll diesen Haufen stoppen? Fußball-Europa zittert vor den Flick-Bayern!

Mit Hansi Flick hat der Rekordmeister einen Trainer gefunden, der es an der Säbener Straße wieder menscheln lässt – und somit neben fachlicher Kompetenz für die passende Atmosphäre rund um die Mannschaft sorgt. Kein Wunder, dass Rummenigge seinen Trainer bei den Feierlichkeiten auf die Bühne zitierte, um ihm den Hof zu machen: „Du bist immer so ein bescheidener Mensch. Du hast einen Wahnsinns-Job gemacht. Du kannst stolz darauf sein. Ich sage Danke! Ich sage Danke im Namen des gesamten Vereins, der Präsident ist ganz stolz auf dich, der Vorstand ist super stolz.“

Flick gab die Blumen umgehend weiter: „Mein Dank, unser Dank gilt ganz besonders der Mannschaft. Was sie in den letzten Monaten geleistet hat, war sensationell. Im Training hast du sehen können, wie sich das Ganze entwickelt. Es war einfach sensationell. Ich habe noch nie so eine Mannschaft trainiert wie euch – na gut, das war auch nicht so schwer.“

Das Problem für die europäische Konkurrenz: Die Entwicklung dieser Mannschaft ist noch nicht zu Ende – und sie spielt noch lange großteils so zusammen. In München trainierte noch ein gewisser Leroy Sané, 24, während seine Teamkollegen in Portugal das Triple jagten. Gesellschaft leisteten Sané dabei Torwart Alexander Nübel, 23, und Nianzou, 18, die den Münchner Kader in der Breite noch stärker machen.

Zwar müssen die Verantwortlichen um Sportvorstand Hasan Salihamidzic die Zukunft von David Alaba, 28, Thiago, 29, Javi Martinez, Jerome Boateng und Inter-Leihgabe Ivan Perisic (alle 31) klären, doch das Gerüst steht. Oder wie es der künftige Boss Oliver Kahn formuliert: „Die Zusammensetzung eines Kaders kann man nie als abgeschlossen betrachten. Wichtig ist, dass man eine stabile Achse langfristig unter Vertrag hat. Das ist im Moment sicherlich gegeben.“

Salihamidzic bemüht sich derweil, die Qualität hoch zu halten, wie er jüngst im Interview verriet: „Das ist meine Aufgabe: dem Trainer auch für die neue Saison eine Mannschaft zur Verfügung zu stellen, mit der er Titel gewinnen kann, aber keine Transfers zu machen, die unsere wirtschaftliche Gesundheit gefährden. Deshalb werden wir weiter darauf achten, Spieler zu finden, die vielseitig einsetzbar sind. Und wir müssen Spieler finden, die das Trainerteam entwickeln kann.“ Das Triple war erst der Beginn einer Erfolgsära.

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