Barcelona –Der Zoff zwischen dem FC Barcelona und Lionel Messi, der den Verein nach 20 Jahren verlassen will, ist das widerlichste Ende einer Beziehung, das man sich nur vorstellen kann. Beide Seiten bringen im Moment ihre hässlichsten Seiten zum Vorschein, denn in dieser Geschichte gibt es nicht den Guten oder den Bösen. Werte? Fehlanzeige.
In dieser Geschichte gibt es nur eines: Leidtragende. Und das sind weder Messi, noch der FC Barcelona – sondern ausschließlich die Fans. Ihre Verzweiflung könnte nicht größer sein. Schließlich führen sowohl der Klub als auch ihr großer Star der Anhängerschaft aktuell vor Augen, wie es um den Fußball von heute wirklich steht. Die Culés, die Barça-Fans, werden aktuell Zeugen davon, dass in diesem Streit niemand auch nur einen Gedanken an sie verschwendet. Sie werden auf einen handelsüblichen Kunden reduziert, der nur für eines zu gebrauchen ist: Spiele im TV zu kaufen, Trikots an Weihnachten und Eintrittskarten für die Partien im Stadion. Zu melden hat er nichts.
Er ist in etwa so arm dran wie ein kleines Kind, das miterleben muss, wie sich seine Eltern nach einer schmutzigen Schlammschlacht scheiden lassen, ohne irgendetwas zu verstehen, geschweige denn tun zu können. Josep María Bartomeu ist ein auf allen Ebenen miserabler Präsident. Ihn zu kritisieren ist leicht, daher beginne ich mit Messi.
Ein schillernder Superstar wie er ist unantastbar. Dabei kommt auch er aufgrund seines egoistischen, unreifen und wenig empathischen Benehmens nicht um seine Portion Kritik herum. Messi verträgt keine Niederlagen. Rückschläge deprimieren ihn, treiben ihn sogar in die Isolation. Tröstende, gar aufmunternde Worte an Kameraden oder Fans nach schweren Pleiten? Gab es nie. An der Schmach von Lissabon, dem 2:8 gegen den FC Bayern, mit Blick auf Kontext sowie globale Strahlkraft die größte Demütigung der Vereinsgeschichte, dagegen schon. Leo hat seitdem nicht ein Wort verloren. Lediglich seine Abschiedsgedanken hat er durchsickern lassen und diese hernach beim Klub anhand eines Fax-Dokuments formell hinterlegt, indem er sich auf eine (vor Gericht durchaus wacklige, weil am 10. Juni abgelaufene) unilaterale Ausstiegsklausel in seinem Vertrag beruft. Und als ob das noch nicht stillos genug wäre, will der Argentinier das sinkende Schiff mit dem Hinweis auf seine geleisteten Dienste auch noch kostenfrei verlassen. An wen Messi nicht denkt, sind diejenigen, die ihn nie verlassen haben: seine Fans.
Egal wie groß sein Zorn gegenüber Bartomeu sein mag – Leo lässt jene im Stich, die ihn wirklich anbeten und eine Erklärung verdienen, die schon jetzt zu spät käme. Barça ist nicht Bartomeu. Der tritt im März ohnehin ab. Und der Spieler hat recht in dem, was er sagt.
Die Führung könnte inkompetenter nicht sein. Messi sollte allerdings auch wissen, dass eine dieser Entscheidungen darin lag, ihm und seiner Kabinen-Gefolgschaft die gesamte Macht über den Klub zu übertragen. Seitdem ist der FC Barcelona zu einem von autoritären Spielern geführten Regime verkommen.
Von Steuerhinterziehung über Trainingschwänzen bis hin zur Trainerdemontage war alles erlaubt – solange auf dem Platz geliefert wurde. Doch das ist schon lange nicht mehr der Fall. Gut möglich, dass Gerardo Martinos größte Hinterlassenschaft in Barcelona ein simpler Satz war, der aus heutiger Sicht wie eine dunkle Vorahnung klingt.
Während einer Trainingseinheit sagte der Trainer seinem argentinischen Superstar: „Leo, ich weiß, dass du nach dem Training zum Hörer greifen, den Präsi anrufen kannst und ich morgen nicht mehr hier bin. Aber du musst mir das auch nicht jeden Tag aufs Neue vor Augen führen.“