München – Das Versprechen eines Weltstars hielt Philippe Coutinho beim FC Bayern nicht. Nach dem im vergangenen Sommer geplatzten Mega-Transfer von Nationalspieler Leroy Sané hatten die Münchner ein Shoppingerlebnis mit Wow-Faktor gebraucht und in dem Brasilianer vom FC Barcelona vermeintlich auch gefunden. „Wir wollten einen Spieler, der unser Offensivpotenzial mit seiner technischen Qualität noch aufwertet“, sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge über den einst als „kleinen Zauberer“ titulierten Samba-Kicker.
Die Gebühr von 8,5 Millionen Euro für die einjährige Leihe bezeichnete Rummenigge damals als „Freundschaftspreis“ des FC Barcelona. Als eine „nicht preiswerte“ Kaufoption von 120 Millionen Euro hingegen beschrieb der Bayern-Boss dann die feste Ablösesumme. Diese zogen die Münchner, die Sané nun in diesem Sommer verpflichteten, in Corona-Zeiten aber nicht.
„Wir wollen uns herzlich bei Philippe Coutinho bedanken. Mit seiner Kreativität und seiner exzellenten Technik hat er unser Spiel in der Triple-Saison belebt“, erklärte Rummenigge gestern. Sportvorstand Hasan Salihamidzic sagte„auf seinen Anteil am Triple, vor allem beim Finalturnier der Champions League in Lissabon, darf er mit Recht stolz sein.“
Coutinho bekam als Zeichen der hohen Erwartungen und des Vertrauens die „10“ von Arjen Robben – obwohl der deutsche Rekordmeister diese und auch Franck Ribérys Rückennummer „7“ 2019/20 nicht vergeben wollte. Bei einem brasilianischen Nationalspieler macht man aber mal eine Ausnahme. Doch dem Status eines Weltstars wurde der 28-Jährige, der sich auf Thomas Müllers Position zentral hinter der Spitze am wohlsten fühlt, auf dem Spielfeld nur selten gerecht.
Daran haben auch Blessuren ihren Anteil. Wegen einer Knöcheloperation im April fiel Coutinho länger aus. Trotz der eigentlich am 30. Juni endenden Leihe fand der FC Bayern aber wie bei Ivan Perisic (Inter Mailand) und Alvaro Odriozola (Real Madrid) – bei denen die weitere Zukunft übrigens offiziell noch ungeklärt ist – für die Corona-bedingte Saisonverlängerung.
Für das Finalturnier der Champions League in Lissabon war Coutinho dann auch fit. Im atemberaubenden Champions-League-Viertelfinale Mitte August ausgerechnet gegen den FC Barcelona (8:2) glänzte der frühere Liverpool-Star nochmal bei einem Kurzeinsatz. Er wurde in der 75. Minute eingewechselt, dabei traf er zweimal und gab noch eine Vorlage. In der Königsklasse war Coutinho sogar einer von nur drei Münchnern neben Manuel Neuer und Joshua Kimmich, der in allen elf Spielen zum Einsatz kam.
Insgesamt bestritt er 38 Pflichtspieleinsätze für den FC Bayern. Dabei gelangen ihm elf Tore und neun Vorlagen. „Auch wenn sich die Wege des FC Bayern und Philippe Coutinho nach nur einer Saison wieder trennen, hat sein Engagement in München deutlich gemacht, was für ein hervorragender Spieler er ist“, befand Salihamidzic. dpa