Die Krux mit der Nations League

von Redaktion

Deutschland spielt gegen Spanien – und der Wettbewerb zeigt seine Schwäche

VON JONAS AUSTERMANN

Stuttgart – Deutschland gegen Spanien: dieses Duell darf man in jüngerer Vergangenheit durchaus als fußballerischen Leckerbissen bezeichnen. Die beiden Nationen prägten den Klubfußball in den letzten zehn Jahren maßgeblich. Und trotzdem hält sich die Vorfreude auf das heutige Kräftemessen (20.45 Uhr/ZDF)in Grenzen – der Nations League sei Dank.

Offiziell führte ein Bedeutungsverlust der Freundschaftsspiele bei der UEFA zu den Überlegungen, eine Nationenliga ins Leben zu rufen. Wer den europäischen Verband kennt, weiß, dass der neue Wettbewerb vor allem finanziell attraktiv sein sollte.

Die Rechnung war simpel: Wenn es in nahezu jeder Partie um irgendetwas geht, fiebern vor den TV-Geräten mehr Menschen mit. Mit Blick auf das DFB-Team kann man getrost behaupten, dass diese Formel nicht aufging. Deutschland holte nach dem WM-Desaster 2018 in vier Spielen gegen Frankreich und die Niederlande genau zwei Punkte. Eine Umfrage des Bundesliga-Barometers ergab, dass drei Viertel der deutschen Fans die Nations League für „grundsätzlich nicht sinnvoll“ erachten. Es wird noch besser: Löws DFB-Auswahl hätte als Gruppenletzter den Gang in die B-Liga antreten müssen, auch Vizeweltmeister Kroatien hätte es erwischt.

Deutschlands Gegner hätten Nordirland, Israel und Slowenien heißen können. Gott sei Dank zauberte die UEFA kurzerhand eine Reform aus dem Hut. Die A-Liga wurde von zwölf auf 16 Teilnehmer aufgestockt. Alle Gruppenletzten blieben in der höchsten Klasse – die vermeintliche Spannung mit Auf- und Abstieg erwies sich als reine Luftnummer.

Heuer geht’s für die deutsche Auswahl dann aber wirklich um alles. Versprochen. Also zumindest so weit man das derzeit überblicken kann, denn die nächste Reform liegt bestimmt in einer UEFA-Schublade. Vorerst gilt: Gewinnt man seine Nations-League-Gruppe in Liga A, hat man eine klitzekleine Chance, sich über diesen Weg für die WM 2022 zu qualifizieren.

Die zwei besten von vier Gruppensiegern dürfen an wahnsinnig attraktiven Playoffs teilnehmen, in denen sich zwölf Länder um drei WM-Tickets kloppen. Die großen europäischen Nationen dürften den einfachen Weg gehen. Gewinnen sie ihre Quali-Gruppe, sind sie in Katar dabei.

Der Zweite kommt in die Playoffs. Aber die listige UEFA wäre nicht listig, wenn sie sich nicht etwas ausgedacht hätte, um in der Nations League noch für künstliche Spannung zu sorgen. Für Löw geht’s gegen Spanien, Schweiz und Ukraine um wichtige Punkte für die Weltrangliste. Und die sind wichtig, um in der WM-Quali als Gruppenkopf gesetzt zu sein. Nur die zehn besten europäischen Teams sind gesetzt – und das DFB-Team ist derzeit Zehnter.

Alle Klarheiten beseitigt?

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