München – „Der Ball liegt in der Spielhälfte der Politik“, hatte Rainer Koch, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), vor zwei Wochen in seinem offenen Brief an die rund 4500 Mitgliedsvereine geschrieben. Am Dienstag ließen die Minister aber erst einmal die Luft aus besagtem Ball. Klare Ansagen blieben weiter aus. Die Amateure schauen in die Röhre – und denken deshalb über rechtliche Schritte nach.
Es gehe nicht um eine „Sonderrolle für den Fußball, sondern um gleiches Recht für alle“, beteuerte BFV-Präsident Rainer Koch zuvor beteuert. „Worin sich aber ein Konzert- oder Gottesdienstbesucher von einem Sportplatz-Zuschauer unterscheidet, wissen wir nicht und deshalb sagen uns unsere Fachanwälte, dass eine Klage gegen die Ungleichbehandlung des Amateurfußballs durch die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung gute Erfolgsaussichten hätte.“
„Die Unsicherheit ist das Schlimmste“, sagt Bernd Mayer, Vorstand des Landesligisten FC Unterföhring. Die Vorbereitung verlaufe „chaotisch“, weil der Trainerstab nicht wisse, „wann die Mannschaft fit sein soll“. Zunächst war die Wiederaufnahme des Spielbetriebs für das kommende Wochenende geplant. Weil eine Entscheidung aber nach wie vor aussteht, scheint inzwischen auch der Ersatztermin am 19. September unrealistisch.
Der BFV ist jedoch der Auffassung, alle nötigen „Voraussetzungen geschaffen zu haben“, wie Koch mitteilte. Der DFB-Vize bezieht sich auf ein entsprechendes Hygienekonzept, das der Verband dem bayerischen Innenministerium am 20. August vorgelegt hatte. Doch die Politik setzt ihre Prioritäten anders – zum Ärger der Clubs. Hauptkritikpunkt: Bei kulturellen Freiluftveranstaltungen sind in Bayern bis zu 400 Personen erlaubt. „Viele haben nur 30 Zuschauer, die kriegen wir auf einem Fußballplatz mit genügend Abstand unter“, erklärt Mayer. Die Regierung habe sich „verrannt“, kritisiert er.
Der BFV ruft seine Mitglieder deshalb zu einer Online-Wahl auf. Bis Montag können die Clubs entscheiden, ob sie den Spielbetrieb schnell aufnehmen wollen, den Zuschauerausschluss für richtig halten oder der Verband dagegen vorgehen soll. „Der Gang vors Gericht ist das letzte Mittel“, schrieb Koch. Dieses Vorgehen des BFV kommt nicht bei allen gut an. „Die Vereine werden vor die Entscheidung gespannt“, findet Stephan Rehme, Abteilungsleiter des Regionalligisten SV Heimstetten.
Die Androhung juristischer Schritte rief gestern auch Innenminister Joachim Herrmann auf den Plan. Der CSU-Politiker kündigte an, das Thema bei der Kabinettssitzung am 14. September anzusprechen. „Wir nehmen das freudig zur Kenntnis“, erklärte der BFV auf Nachfrage. Die Amateure hoffen, dass dann endlich Klarheit herrscht.